Montag, 20. April 2015

20. April 1945: Einmarsch der Franzosen und der Beginn einer Legende...



Oberbürgermeister Kabfell

Als halb offiziell wird von den Historikern der folgende Text über den Einmarsch der Franzosen am 20. April dargestellt, mit dem Oskar Kabfell, zwischen 1945 und 1973 Oberbürgermeister der Stadt Reutlingen, sich unsterblich machte. In diesem Text - so meint der Biograph Hans-Georg Wehling in den Geschichtsblättern 1995 - kommen nur drei Namen vor: Kalbfell und Allmendinger auf deutscher Seite und auf französischer Seite der Kommandant St. Germain. Der Name des Polizeihauptmanns wird nicht aufgeführt. Auch erfahren wir nichts über die Fahrt von Betzingen bis Marktplatz, ob Schüsse fielen oder nicht. Wir wissen auch nicht, wie sich Kalbfell, der kein Französisch konnte, sich mit dem Kommandanten verständigt hat. Auf jeden Fall war zumindest in Reutlingen das Ende des Krieges gekommen. Fast gekommen. Denn da war ja noch die Geschichte mit den Geiseln

DIE OFFIZIÖSE DARSTELLUNG DER EREIGNISSE AM 19. UND 20. APRIL
»Am Nachmittag des 19. April bezog an den Ortsausgängen in Richtung Ohmenhausen und Tübingen eine deutsche Infanteriekompagnie in Stärke von etwa 120 Mann, darunter viele 15jährige Hitlerjungen, die primitiv vorbereiteten Straßensperren. Ein französischer Erkundungsvorstoß aus Richtung Tübingen wurde abgewehrt. Am Nachmittag des 20. April, einem sonnigen Frühlingstag, begann dann eine französische Panzerabteilung nach vorausgegangener Artillerievorbereitung und unter starkem Einsatz von Jagdbombern den Angriff. der deutsche Widerstand war nach zwei Stunden gebrochen, er forderte unter anderem 20 Tote, 13 abgebrannte und viele beschädigte Gebäude. Die französischen Truppen setzten anschließend zum weiteren Vorstoß in die Stadt an.

Inzwischen war es einem Bürger der Stadt, dem Kaufmann Oskar Kalbfell aus Betzingen, unter Lebensgefahr gelungen, mit dem Kommandeur der ein einrückenden Panzertruppe, dem Capitaine de St. Germain, im vordersten Panzer zu sprechen. Oskar Kalbfell versicherte hierbei dem Kommandanten, er bürge mit seinem Leben dafür, dass die Stadt kampflos übergeben werde, wenn keine weitere Beschießung und vor allem keine Bombardierung mehr erfolge. Er habe in Verbindung mit Gleichgesinnten entsprechende Vorbereitungen getroffen, um die Stadt vor einer weiteren Zerstörung zu bewahren. Der französische Kommandant nahm das Anerbieten positiv auf und befahl Oskar Kalbfell, den französischen Führungspanzer zu besteigen. Als die französische Panzerspitze mit Kalbfell auf dem Marktplatz ankam , meldete sich dort der Hauptmann der deutschen Polizei und stellte sich und seine Männer zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung in Reutlingen zur Verfügung. Die offizielle Übergabe der Stadt erfolgte anschließend unter Mitwirkung des inzwischen herbeigeholten Bürgermeisters Dr. Allmendinger. Der französische Kommandant beauftragte noch am selben Abend Oskar Kalbfell mit der kommissarischen Führung der Geschäfte des Oberbürgermeisters.«
Bildertanz-Quelle:Sammlung Hermann Rieker (Foto)

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