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Sonntag, 7. Januar 2018

So sah es auf dem "Bruderhausgelände" aus ...


... als das dortige Wohn- und Geschäftshaus abgerissen wurde. Die Kosten dafür sind bestimmt nicht in die Baukosten für die neue Stadthalle eingerechnet worden - oder?
Bildertanz-Foto: Jürgen Reich

Erstveröffentlichung: 26. Oktober 2010

Freitag, 5. Januar 2018

Klein-Venedig - ausgetrocknet


Wahrscheinlich ist ein Foto dieser Art eher selten - richtig hässlich wirkt plötzlich Klein-Venedig vor dem "Echaz-Tümpel". Aber in der Erinnerung - und eigentlich ist dies alles, was uns geblieben ist - bleibt Klein-Venedig wunderschön.
Bildertanz-Quelle: Familie Blank

Mittwoch, 29. Januar 2014

K 8- Katharinenstraße Reutlingen: Zerstörung der Altstadt seit den 1960er Jahren

Was hat sich eigentlich in der Altstadt von Reutlingen baulich verändert seit den 1960er Jahren?

Wieviele Gebäude sind eigentlich noch "alt"?
Wenn wir nur einmal den Stadtgrundriss der Altstadt betrachten, sieht man, das etwa 20% ( 1 / 5 ) der Gebäude, die um 1960 noch standen, inzwischen abgerissen wurden. (Bild auf Anfrage). 

Sicherlich war nicht jeder Abbruch sinnlos - im Gegenteil: Oft wurden Industriebrachen am Rande der Altstadt in gute städtebauliche Lösungen umgewandelt: Heute kann man dort angenehm wohnen oder schöne Büros mieten.

Bei der K 8 Planung in der Katharinenstraße jedoch, geht es um den Teilabriss eines Straßenzugs, dessen Gebäudeteile aus dem späten Mittelalter stammen!
Deshalb muss man die Frage stellen, ob tatsächlich ein Teil der historischen mittelalterlichen Altstadt an der Katharinenstraße im Rahmen des K 8 Projekts abgerissen werden darf. Schliesslich finden sich dort noch denkmalgeschützte Keller.

Angesichts des Eingriffs in die Altstadt möge sich doch der Gemeinderat der Stadt Reutlingen überlegen, ob die verbliebene Altstadt nicht mittlerweile eher geschützt werden sollte: Vor dem Zugriff von kurzfristig gedachten Einzelhandelsprojekten wie K 8, die für unsere Altstadt nicht nachhaltig und langfristig gedacht wurden.

Kommenden Donnerstag, dem 30.1.2014, findet eine wichtige Abstimmung im Gemeinderat der Stadt Reutlingen über das K 8 Projekt statt. Diskutieren Sie bis dahin mit den Gemeinderäten - für den Erhalt der Katharinenstraße!

M. Kurz

KOMMENTAR
Einen nicht minder kompetenten Kommentar bekamen wir von unserem Freund H.R.. Er findet nicht alles so schlimm, was in Reutlingen der letzten Jahrzehnte geschah. Nichtsdestotrotz geht auch er sehr kritisch mit unserer Stadtregierung um. 

Sehr geehrte Frau Kurz,

eine sehr interessante Karte, aber sie zeigt auch. dass ein Gutteil der Veränderungen letztendlich aus der Umwidmung von Industriegelände in (ich drücke mich vorsichtig) andere Nutzung.
Obere Wässere: aufgrund des Strukturwandels (Textil- und Lederindustrie) aus meiner Sicht ist die Konversion nicht nur negativ zu sehen, aber die Geschäfte werden von der Bevölkerung nicht ohne weiteres angenommen),lediglich der Abriss des alten Gerberhauses hätte vermieden werden müssen
Schlachthausareal: nicht so schlecht
Alteburginsel und Kleinvenedig: schade, dass nicht sensibler vorgegangen wurde
Bruderhausgelände; Nutzung durch eine Stadthalle akzeptabel, was mit dem Rest geschieht - ich fürchte ein Stundenhotel
Postareal: unvermeidlich,aber nichts dauerhaftes
Kronprinzen/Parkhotel:
Schade um das Parkhotel, aus heutiger Sicht ging ein Kleinod verloren
Hortenareal: halt ein Kaufhaus, die Eiermannfassade zum Kotz....
Entlang der Gartenstrasse z.B. Haus Heimberger war oder wollte man nicht verhindern, im Ergebnis besch............
C&A: typische Investorenverneigung, ein Wunder, dass C&A immer noch an dem Ort ist
Kaiserpassage: Industriegelände, es gibt schlechtere Konversionen
Also, nicht alles hat sich im Zeitablauf als gänzlich schlecht erwiesen, aber vieles hätte bei sensiblerem Vorgehen vermieden werden können. A propos Sensibilität, der Abbruch eines der ältesten Häuser in Deutschland hätte vermieden werden können, wenn die Bauverwaltung, an der Spitze Frau Hotz nicht so geschlafen hätte. Frage: Personelle Konsequenzen - nicht die Spur.

H. R.


Samstag, 7. Dezember 2013

Alteburgstraße 5: Abbruch der Moderne

Eine kleine Reutlinger Baugeschichte zur Erinnerung an das Gebäude Riehle und Kleinecke an der Alteburgstraße 5, das bald abgerissen wird:

In den 1930er Jahren wurde in Reutlingen an der Alteburgstraße ein modernes Wohn- und Geschäftsgebäude gebaut. Es wurde lange Zeit von der Firma Riehle und Kleinecke betrieben, die unter anderem Gartenzubehör verkauft haben. In den letzten Jahren stand es leer, es wurde von Vandalen im Innenbereich stark zerstört. Damals, zur Bauzeit, war es hochwertig eingerichtet. Es besaß  bereits eine Zentralheizung mit Heizkörpernischen und hochwertige Heizkörperverkleidungen aus Holz, ein "Damen-Büro"... und und.
Sie kennen es sicherlich:
Das Vorbild für dieses Gebäude war unter anderen die "moderne Architektur" der damaligen Zeit: Zum Beispiel die Gebäude von Erich Mendelsohn, einem damaligen "Star-Architekten", der sehr schwungvolle Fassaden mit Rundverglasungen gebaut hatte, wie 1928 das Kaufhaus Petersdorff in Breslau.

Das Gebäude an der Alteburgstraße hatte zwar ein "konservatives" Satteldach. Mit der Rundverglasung am Eingang jedoch war es für Reutlingen in Anbetracht der Tatsache, dass etwa 100 m weiter das Fachwerk-"Klein-Venedig" stand, ultra-modern. Wenn man sich das Gebäude dazu noch mit Flachdach vorstellen mag, bemerkt man, dass es weit und breit eine gestalterische Ausnahmeerscheinung war:

Bild oben: Rundverglasung am Eingangsbereich.

Bild oben: Moderne Fassade mit viel Glas, und ein moderner Schriftzug...

Bild oben: Eingangstor, mit streng geometrischer Gestaltung.... und...die Bezüge zur damaligen Kunst und heutigen Kunstgeschichte: Bild oben rechts: Gemälde von Piet Mondrian, Komposition, 1937-1942.

Bild oben: Schwungvoller Handlauf am Treppenaufgang.

Bilder der Innenräume:
 Bild oben: Ein bisschen künstlerisch: Treppenaufgang vom Obergeschoss ins Dachgeschoss.

 Bild oben: Wir nennen es einfach "Damenbüro".

 Bild oben: Eingang mit Marmorverkleidung.

 Bild oben: Einbau-Küchenschrank.


Bild oben:

Dieses Gebäude hätte man - aufgrund seiner Top-Lage in der Nähe der Stadthalle - gut für einen außergewöhnlichen Laden oder ein Café umnutzen können.

(c) Bilder: M. Kurz

Mittwoch, 27. November 2013

Reutlingen, nachts am Oskar Kalbfell-Platz, Stadtmauerhäuser

Der Oskar-Kalbfell-Platz in Reutlingen, des Nachts im November 2013 fotografiert. 

Der Platz, der abends sehr großstädtisch wirkt, weil der Verkehr einen großen Raum einnimmt. 
Der Platz, der unbegrenzt und undeutlich bleibt. 
Es bleibt für Fußgänger und Radler unklar, ob man sich nun auf dem Willy-Brandt-Platz befindet, auf dem Oskar-Kalbfell-Platz oder auf dem Oechsle-Platz. 

Ein klassischer Platz wird definiert durch die abgrenzenden, umrandenden Gebäudekanten. 
Die "neuen" Nachkriegs-Plätze der Stadt Reutlingen haben keine klaren Raum- und Gebäudekanten, und die Plätze fließen im wahrsten Sinne ineinander und in die stark befahrene Lederstraße über.

Bild oben: Wussten Sie, dass diese schönen Gebäude am Tübinger Tor teilweise gar nicht denkmalgeschützt oder Ensemble-geschützt sind? Z.B das rot gestrichene Häuschen an der Häuserzeile oben... Es kann also jeden Moment vorkommen, dass einige Gebäude aus rein wirtschaftlichen Gründen abgerissen und verändert aufgebaut werden...

Bild oben: Stadtplan am Tübinger Tor: Die rot und violett eingefärbten Gebäude sind denkmalgeschützt. Alle anderen Gebäude können beliebig abgerissen werden. Das birgt eine große Gefahr für den Altstadtbestand. 
(Quelle: Kataster denkmalgesch. Gebäude, 2011, Stadt Reutlingen).

Es wäre daher sehr schön, wenn die Stadt Reutlingen und die Stadträte dieses schöne Ensemble unter Schutz stellen würde, so wie das bei den Stadtmauerhäusern an der Lederstraße geschehen ist.

Foto: M. Kurz

Samstag, 13. April 2013

Wo steht oder stand diese Häuserzeile?


Diese Häuserzeile, die mein Vater wohl in den 1980er Jahren fotografierte, existiert heute wahrscheinlich nicht mehr. Leider ist mir der Aufnahmestandort nicht bekannt. Aufgrund der im Bild sichtbaren Parkhaus-Hinweisschilder (geradeaus: Listhalle, Lederstraße, Rathaus. Tübinger Tor; nach rechts: Horten, Stadtmitte, Kaiserpassage, Volksbank) tippe ich jedoch auf einen Standort in der Nähe des Lindach-Knotens. Kann jemand bei der Identifizierung weiterhelfen?

Bildertanz-Quelle:  Martin Hebsaker, Herrenberg

Freitag, 12. April 2013

Unterhalb der Pomologie

In den 1980ern hat auch mein Vater einige Reutlinger Ansichten fotografiert. Diese hat er mir nun zur Verfügung gestellt, um sie hier im Bildertanz veröffentlichen zu können. Leider gibt es zu den meisten Bildern keine Beschreibungen, sodass ich keine genaueren Angaben zum Aufnahmezeitpunkt machen kann.

 

Beginnen möchte ich mit einem Bild, das ein Gebäude unterhalb der Pomologie unmittelbar am Anfang der Friedrich-Ebert-Straße zeigt. Hat jemand weitere Informationen zu diesem originellen Gebäude?

Bildertanz-Quelle: Martin Hebsaker, Herrenberg

Dienstag, 29. November 2011

Kirchen in Reutlingen - Die 50er und 60er Jahre

Kirchen der Nachkriegszeit in Reutlingen: Ein modernes Thema. Aus heutiger Sicht erstaunlich ist es, dass während der 50er und 60er Jahre in Reutlingen viele Kirchen gebaut wurden. Nicht etwa als Ersatz für zerstörte Kriegsruinen; sondern als "Neue Kirchen" für die Gemeinden, die damals ein großes Bedürfnis nach einer Kirche und neuen Versammlungsräumen hatten. Anbei einige Beispiele für die architektonisch modernsten und radikalsten ( lat.: radix = Wurzel, Ursprung) Kirchen.

Bild 1: Die Erlöserkirche in der Kaiserstraße; ein Gebäude mit einem sehr filigranen offenen Glockenturm. 1950er Jahre. Auch ein Gebäude, das vor einigen Jahren sehr behutsam saniert wurde und den ursprünglichen Charakter bewahrt hat.

Bild 2: Die Heilig-Geist Kirche in der Alteburgstraße. Ein Gebäude der frühen 1960er Jahre im Kontrast zu einem Wohnhaus aus den 1920er Jahren.
Fotos: M.Kurz

Freitag, 25. November 2011

Was passiert eigentlich gerade... mit unserer Stadt?

Stellen Sie sich vor, Sie fahren durch Reutlingen und den "Ringelbach", ein Viertel, das ab etwa 1900 erbaut wurde. Sie fahren an einem schönen stattlichen Jugendstilbau vorüber, der 1928 fertigerstellt wurde; der in gutem Zustand da steht, und eines der schönsten Gebäude im Ringelbach ist. Und Sie erfahren plötzlich, dass dieses Gebäude abgerissen werden soll... Glauben Sie das?

Bild 1 (entfernt): Es handelt sich um dieses Gebäude: Hier ein Luftbild des Altbaus, Ringelbachstraße - Ecke Bellinostraße. Ein schönes stattliches Gebäude aus dem Jugendstil. 1926-1928 erbaut als eines der ersten Städtischen Altenheime. Damals noch mit Streuobstwiese und Weinberg in Richtung Georgenberg. Rechts daneben ein Neubau der 1970er Jahre, das Altenheim von dem Architekturbüro Behnisch, das unter Denkmalschutz steht. (!).

In der Begründung zum Bebauungsplan AH Ringelbach der Stadt Reutlingen,  vom 18.01.2011 steht:
Zitat: "Statt der Sanierung soll die weitere Dezentralisierung der stationären Pflege in sozialraumorientierten modernen Heimen angestrebt werden. Ein erster Ersatzbau wird derzeit bereits Unterm Georgenberg an der Werastraße realisiert. Der zweite Ersatzbau ist auf dem Areal des Pflegeheims Ringelbach anstelle des Altbaus vorgesehen (GR-DRS 07/031/07.1)." 

Wir gehen doch davon aus, dass die Stadt nicht den Abbruch dieses schönen Gebäudes meint. Doch in der Machbarkeitsstudie des Büros Riehle und Partner, Reutlingen, sieht man doch tatsächlich folgende Grafik:


Bild 2: Fotomontage aus der Machbarkeitsstudie von dem Büro Riehle und Partner, vom 23.03.2009. Rechts im Bild sehen Sie eine "Neubauzeile des neuen Altenheims"; der Altbau wurde einfach überplant, also abgerissen. Man fragt sich , warum der schöne Jugendstilbau als Eckgebäude nicht einfach stehen bleiben darf. Auch etwas irritierend: Im Bild oben wird der Altbau überplant mit einem Parkplatz! Was hat höhere Qualitäten: Ein Jugendstilbau oder ein Parkplatz?

Stattdessen:
Bild 3: Fotomontage aus der Machbarkeitsstudie von dem Büro Riehle und Partner, vom 23.03.2009. Ansicht Bellinostraße: Der Altbau den Sie in Bild 1 sehen, wurde schlicht einfach "wegretuschiert", als hätte es ihn niemals gegeben. Stattdessen wird ein 3-geschossiger Standardbau geplant, der städtebaulich keinen Bezug mehr zum Viertel hat. Warum wird nicht ein 4-geschossiger Bau geplant, der etwas kürzer ist, aber mehr Fläche in die Höhe hat, genauso wie der Jugendstilbau, und der neben dem Jugendstilaltbau steht und diesen ergänzt?

Der komplette schöne Altbau wurde abgerissen und überplant, anstatt sich Gedanken über einen alternativen Standort zu machen. Man hätte den Altbau auch einfach in die neue Planung mit integrieren können, und die neuen Gebäude einfach daneben planen können. Es gibt keinen Grund, diesen Altbau abzureißen.


Wenn Sie sich gegen den Abbruch des Gebäudes einsetzen wollen, rufe ich Sie dazu auf, dem Stadtplanungsamt in Reutlingen einen Einspruch zu schicken. Das kann ganz einfach über eine Email geschehen. stadtentwicklung.vermessung@reutlingen.de.


MK



Mittwoch, 17. August 2011

Finden Sie mindestens 2 Veränderungen!

Das Foto wurde 2003 aufgenommen - als kleine Hilfestellung!
Bildertanz-Foto: Jürgen Reich
Hat jemand ein aktuelles Foto der Lage aus dieser Perspektive?

Samstag, 12. März 2011

In der Altstadt Reutlingen: Hofstattstraße im Abendlicht.


Die stille Hofstattstraße in der Reutlinger Altstadt. Fotografiert im Januar 2011.

Foto von Martina Kurz.

Samstag, 25. Dezember 2010

den Reutlinger Weihnachtszirkus..



wird es hier nie mehr geben...

Aufnahme: Dezember 2010




Aufnahme. Dezember 2008



alles Stadtgeschichte...



Bildertanz Foto Doku 12/2008. Werner Rathai

Montag, 22. November 2010

Vor einem Jahr: Gustav Werner Gelände November 2009

Bild oben:
Die "Brache" um das ehemalige Krankenhaus aus den 1880er Jahren von Gustav Werner.
Bild oben:
Der bis Herbst 2009 genutzte "Schotterparkplatz" auf dem G.-Werner-Gelände.
Bild oben: Das optische verbaut wirkende Tübinger Tor mit 70er/80er Jahre Fußgängersteg über die Konrad Adenauerstraße.


Über Gustav Werner:
Gustav Werner wird am 12. März 1809 als Sohn des Forstkassiers Johannes Werner und seiner Frau Friederike Christiane in Zwiefalten (Württemberg) geboren. 1810 zieht die Familie nach Biberach. Der Vater arbeitet zunächst als Schreibgehilfe. Ihm gelingt im Lauf der Jahre über verschiedene Stationen ein sozialer Aufstieg, bei dem er schließlich Finanzkammerdirektor in Reutlingen wird. Er ist ehrgeizig und fest verankert in einem nüchternen und rationalistischen Gottesglauben, das „Tun des Guten“ (Bartel, s.u., S. 30) ist ihm wichtig. Gustav wird im Alter von 6 Jahren zu den Großeltern gegeben, kommt zwei Jahre später zu den Eltern zurück und geht abermals zwei Jahre danach zu seinem Onkel nach Göppingen, um dort die Lateinschule zu besuchen. 1823 macht er das Landesxamen und wird konfirmiert. Danach besucht er das evangelische Seminar in Maulbronn. In dieser Zeit erlebt er eine tiefe Dankbarkeit und den Wunsch, selbst tugendhaft zu leben.
1827 geht Gustav Werner in das Stift nach Tübingen, um dort Evangelische Theologie zu studieren. Ab 1829 wohnt er bei der Familie Hofacker. Er gewinnt Kontakt zu einem Zirkel, der sich mit den Ideen des schwedischen Naturforschers, Sehers und Metaphysikers (vgl. Bartel, a.a.O., S. 47) Emanuel Swedenborg (1688-1772) beschäftigt. Swedenborgs Theologie, die sich nicht mit der kirchlichen Lehre deckt, seine Betonung der ethischen Handlungsdimension des Glaubens sowie sein Anspruch auf die Wahrheit seiner Erkenntnisse faszinieren Gustav Werner. Dagegen findet er zu der akademischen Lehre der Theologie, die in Tübingen von unterschiedlichen theologischen Schulen vertreten wird, persönlich keinen Zugang. 1832 beendet er sein Studium mit der ersten theologischen Dienstprüfung.
Von Tübingen führt ihn sein Weg nach Straßburg, wo Gustav Werner zwei Jahre verbringt. Er arbeitet dort an einer Bibelübersetzung und gibt Unterricht an einer Knabenschule, widmet sich jedoch vor allem dem Studium und der Übersetzung Swedenborgs. In Straßburg lernt er das Lebenswerk Johann Friedrich Oberlins (1740– 1826) kennen. Oberlin hatte als Pfarrer in seiner Gemeinde im Steintal die Lebensbedingungen von armen und benachteiligten Erwachsenen und Kindern in verschiedenen Bereichen – Erziehungs- und Gesundheitswesen, Landbau, Industrie und Handwerk – nachhaltig verbessert, um so „das wahre Christentum zu realisieren“ (Bartel, a.a.O., S. 68). Auch er war Swedenborgianer. Hier findet Gustav Werner seine bisherige Orientierung wieder und kann sie zum praktischen Handeln hin erweitern bzw. verändern. Im Rückblick berichtet er von der Begegnung mit Oberlin als einer, die sein Leben verändert und es auf seine künftige Grundlage gestellt hat.
Nach seiner Rückkehr beginnt Gustav Werner 1834 ein Vikariat in Walddorf bei Tübingen. Zuvor muss er jedoch die Skepsis der Kirchenleitung überwinden, er werde nichtkirchliche, sektiererische Positionen vertreten. In seinem Vikariat fällt er durch sein großes Engagement auf, er beginnt mit seiner diakonischen Tätigkeit. In Predigten ruft er die Gemeindemitglieder zur Umkehr auf – weg von Selbstgerechtigkeit und Sünde, hin zur tätigen Nächstenliebe. Werner gewinnt Mitarbeiterinnen und gründet 1837 nach dem Vorbild Oberlins eine Kleinkinderschule für die Erziehung Zwei- bis Sechsjähriger und eine Industrieschule, in der Mädchen zum Arbeiten – Häkeln, Stricken u.ä. – angeleitet werden.Werner ermöglicht schon früh der ersten Mitarbeiterin, Marie Agnes Jakob, die Ausbildung zur Kleinkinder- und Industrieschullehrerin. Sie wird durch Unterricht für Kleinkinderlehrerinnen in Tübingen, in textiler Handarbeit in Reutlingen und in religiöser Unterweisung durch Werner selbst ausgebildet.
Zu dieser Zeit beerdigt Werner eine Tagelöhnerin, Mutter von sechs Kindern. Später berichtet er von seinen vergeblichen Versuchen, die verwaisten Kinder bei reichen Familien des Ortes unterzubringen. Als er jedoch selbst eines der Kinder mit Unterstützung seiner Kinderlehrerin aufnimmt, öffnen sich auch andere Familien für die weiteren Kinder. Aus dieser Notsituation entsteht im Haus Gustav Werners eine christliche Lebensgemeinschaft, die Kindern in Not hilft. Diese „Rettungsanstalt“ unterscheidet sich von der ca. 20 Jahre zuvor entstandenen Rettungshausbewegung. Hier steht nicht die institutionalisierte Anstalt, sondern das exemplarische christliche Handeln im Mittelpunkt. Werners Tätigkeit bleibt hierbei nicht stehen, sie geht bald über Walddorf hinaus. Er wird immer häufiger eingeladen, an anderen Orten sein Verständnis der biblischen Aussagen vorzutragen. Dieses Verhalten wird öffentlich diskutiert, wieder mit dem Vorwurf, er verbreite die Gedanken Swedenborgs, und führt zu einem Konflikt mit der kirchlichen Leitung. Gustav Werner legt zu dieser Zeit sein Amt in Walddorf nieder. Der Konflikt endet 1851 mit der Entlassung Werners.
Im Februar 1840 zieht Gustav Werner mit zehn Kindern und zwei Helferinnen in eine 5-Zimmer-Wohnung nach Reutlingen, wo er seine Arbeit fortsetzt. Die Zahl der Mitarbeiterinnen, die freiwillige und unbezahlte Arbeit leisten, wächst. So kann er immer mehr verwaiste und verlassene sowie geistig, seelisch und körperlich eingeschränkte Kinder aufnehmen. 1841 heiratet Gustav Werner die Reutlinger Kaufmannstochter Albertine Zwißler, um den ca. 30 Kindern eine Mutter zu geben. Bis zu ihrem Tod 1882 sind beide Eltern vieler aufgenommener Kinder, jedoch keiner leiblichen. Gustav Werner nimmt diese Erziehungstätigkeit stets verantwortlich wahr, trotz seiner vielen Reisen und der großen Beanspruchung durch das wachsende Werk. Seine Maxime ist persönliche Hinwendung zu jedem Kind, eine Erziehung ohne Zwang. Die so entstandene Hausgemeinschaft finanziert sich durch Spenden und freiwillige Arbeit. In Reutlingen gründen Frauen einen Strickverein mit 80 Mitgliedern und verkaufen ihre Handarbeiten zugunsten von Werners Arbeit. So kann er ein größeres Haus in Reutlingen kaufen. 1842 ziehen Albertine und Gustav Werner zusammen mit 30 Kindern und fünf Mitarbeiterinnen dort ein. Nun finden sich auch erste männliche Mitarbeiter und gründen anstaltseigene Handwerksbetriebe. 1848, im Jahr der Revolution, werden 80 Kinder und erwachsene Hilfsbedürftige in der Anstalt versorgt, erzogen und gepflegt. Was in Werners Familie in Walddorf genossenschaftlich begonnen hat, wird in Reutlingen als „Hausgenossenschaft“ fortgesetzt. Dabei handelt es sich um eine Hausgemeinschaft, die ähnlich wie eine Großfamilie in Gütergemeinschaft zusammenlebt. Die Mitglieder stellen ihren Lohn und ihr Vermögen der Gemeinschaft zur Verfügung und finanzieren sie auf diese Weise. So wird ein Ausgleich zwischen ihnen geschaffen. Werner versteht dies als christliches, gerechtes Handeln. Er leitet patriarchalisch. Diese Hausgenossenschaft wird heute auch als „autonome christliche Genossenschaft“ bezeichnet (Bartel, a.a.O., S. 175).
Viele Menschen, auch Theologen, sind der Meinung, diese Probleme kämen von der technischen Entwicklung. Dem widerspricht Gustav Werner. Er sieht die Ursache der sozialen Not im egoistischen Streben nach Gewinn, das führendes Prinzip der Industrie sei. Dagegen möchte er eine „christliche Fabrik“ setzen, die zum „Tempel“ Gottes werden soll (Bartel, a.a.O., S. 190).
Es ist eine Zeit des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umbruchs, in der viele Menschen in Not geraten. Die Industrialisierung verdrängt Handwerker, Tagelöhner, Kleinbauern und viele andere aus ihrer bisherigen Arbeit. Auch Missernten tragen dazu bei, dass noch mehr Menschen hungern und entwurzelt werden. Die Arbeitslosigkeit ist groß. Die Schwächsten leiden am meisten unter der Situation: Kinder und Alte, Kranke, Menschen mit geistigen, seelischen und körperlichen Einschränkungen.

Er kauft 1850 mit geliehenem Geld eine Papierfabrik und überträgt die genossenschaftliche Lebens- und Arbeitsform auf den industriellen Bereich. Vier Ziele Werners können (nach Lunkenheimer, s.u., S. 190) benannt werden: „1. Die Rettungsanstalten sollten finanziell unterstützt werden, um eine finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. 2. Zöglinge der Anstalten sollten übernommen und ausgebildet werden ...“; um Arbeiter zu qualifizieren. 3. Sogenannte „halbe Kräfte“, wie Werner Menschen nennt, die keine 100% Leistung erbringen können, sollten durch die industrielle Arbeitsteilung in den „regulären Arbeitsprozess“ integriert werden. „4. Allgemein wurde ein gerechtes Gleichgewicht von Arbeit und Kapital angestrebt.“ Das bedeutet: alle Bewohner der Anstalt sollen nach ihrer Begabung in der Fabrik arbeiten und sich so selbst finanzieren. Gerechtigkeit und nicht Ausbeutung soll verwirklicht werden. Gustav Werner plant damit eine modellhafte christliche Alternative industrieller Fertigung zu schaffen. Dies unterscheidet ihn von anderen, die aus ihrem industriellen Ertrag für christlich-soziale Zwecke spenden.
Die Papierfabrik liegt an einem so schmutzigen Fluss (Echaz), dass sie bankrott geht. Werner beginnt 1857 in Dettingen an der Erms eine neue Papierfabrik aufzubauen. Währenddessen hat er in Reutlingen schon weitere Fabriken errichtet: Die anfänglichen Handwerksbetriebe werden zur „Mechanischen Werkstätte“. Gottlieb Daimler leitet sie 1865 bis 1869 und beginnt dort seine Zusammenarbeit mit Wilhelm Maybach; beide erfinden Jahre später gemeinsam das Automobil. Die Mechanische Werkstätte wird zur anerkannten „Maschinenfabrik zum Bruderhaus“. „Bruderhaus“ wird Werners Anstalt seit 1855 genannt. 1884 arbeiten hier 250 Beschäftigte und 32 Lehrlinge in unterschiedlichen Ausbildungen. 1875 beginnt auch eine Möbelfabrik mit der Produktion. Dies sind nur die bedeutungsvollsten Fabriken des Bruderhauses, neben ihnen gibt es zahlreiche kleinere bruderhauseigene Fabrikationsbetriebe in Reutlingen und anderen Orten Württembergs. Werner verfolgt seine Absicht, die soziale Lage der Fabrikarbeiter zu verbessern konsequent und verwirklicht folgende Ziele: „Ausreichender Lohn für alle Beschäftigten, Beteiligung am Ertrag der Arbeit, Begrenzung der Arbeitslast und -zeit, Krankenversorgung zum Lohn hinzukommend, Altersversorgung für alle über 10 Jahre im Bruderhaus Beschäftigten“ (Gustav Werner Stiftung zum Bruderhaus, s.u., S. 22). Außerdem gründet er schon zu Beginn dieser Arbeit Vereine, die die allgemeine Not lindern sollen, z.B. 1851 den „Verein zur Unterstützung auswärtiger Armen und bedürftiger Gemeinden“ und 1852 den „Verein zur gegenseitigen Hilfeleistung“ sowie den „Verein zur Beschäftigung brotloser Arbeiter“.
Im Lauf der Zeit ist das Bruderhaus zu einem großen Werk mit vielen Zweigstellen gewachsen. 1862 ist es auf dem Höhepunkt seiner Ausdehnung, neben dem Mutterhaus in Reutlingen gibt es 24 Zweigstellen. 437 Kinder und 216 erwachsene Menschen mit Behinderungen leben in ihnen. 227 Hausgenossen und 866 weitere Mitarbeiter sind Beschäftigte des Bruderhauses. Werner bürgt bei jeder Neugründung mit seinem Besitz. 1863 kommt es zur finanziellen Krise, er muss beim Amtsrichter seine Vermögensverhältnisse offenlegen. 1866 gründen Freunde einen „Aktienverein zum Bruderhaus“, der alle Häuser und Betriebe Gustav Werners übernimmt, Werner behält die geistliche Leitung.
Nachdem sich so die finanzielle Situation wieder stabilisiert hat, errichtet Werner 1881 im Hinblick auf das Weiterbestehen des Bruderhauses nach seinem Tod die „Gustav Werner Stiftung zum Bruderhaus“. Mit der Gründung der Stiftung wird das genossenschaftliche Modell aufgegeben. Sein Ziel, durch gemeinsames Leben und Arbeiten einen Ausgleich zwischen Menschen in ihrer Verschiedenheit, mit ihren jeweiligen Einschränkungen oder Behinderungen zu schaffen, kann Gustav Werner somit nicht langfristig verwirklichen. 1882 gründet er für Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen, den „halben Kräften“, eine Kartonagen- und Tütenfabrikation, eine Vorläuferin der heutigen Werkstatt für Behinderte. In Reutlingen werden schließlich noch 1883 ein Kinderhaus und 1885 ein Krankenhaus eingeweiht. Gustav Werner ist bereits geschwächt und häufig krank. Am 2. August 1887 stirbt er in Reutlingen.

Zitiert aus:
http://www.planet-schule.de/

Dienstag, 28. September 2010

Das Klinikum am Steinenberg...



sehen wir hier einmal vom Georgenberg.Rechts kann man den
Baukran erkennen,denn das Kompetenzzentrum wird ständig erweitert.
Im Bau befinden sich gerade Bettenhaus A und B Süd.Die ausgegliederte
Fachklinik PP.rt wurde nun ebenfalls neu erbaut und am Klinikum
Steinenberg angegliedert-die Adresse ist jedoch Wörthstraße



Infotafel Fachklinik PP.rt Neubau in nähe Klinikum Steinenberg..



Fachklinik PP.rt Psychiatrie neu gebaut...



Neu erbaut: Fachklinik Psychiatrie PP.rt ersetzt Klinik Oberlinstr.



Neubau Bettenhaus mit Achalmblick...



Neubau Bettenhaus Süd am Klinikum...



Helles, freundliches saniertes Parkhaus Klinikum am Steinenberg

BILDERTANZ FOTO DOKU 9/2010 : Werner Rathai

Dienstag, 14. September 2010

Die künftige Bebauung des Achalmgebietes der Stadt Reutlingen


»Bei der meist hügeligen Beschaffenheit unseres Landes bereitet eine harmonische Hang- und Höhenbebauung vielfach Schwierigkeiten, insbesondere wenn der Ausdehnungsdrang größerer Städte dabei mitspielt. Dies ist in Zukunft auch in Reutlingen der Fall. Hier ist eine befriedigende Lösung von besonderer Bedeutung, weil es sich um das Vorgelände der Achalm handelt, also eines unserer schönsten und durch seine Insellage weithin wirkenden Berges unserer Alb. Nach und nach will die Stadt auch an seinem Fuß hinaufklettern und es ist Zeit, diese Bebauung in solche Bahnen zu lenken, dass das schöne Landschaftsbild dadurch keine Beeinträchtigung erleidet. Weil es sich hier um eine Stelle handelt, auf welche die Augen unseres ganzen Landes gerichtet sind, hält der Bund für Heimatschutz sich für befugt und berechtigt, sich auch um das, was hier geplant ist, zu bekümmern. Schon 1907 hat Professor Theodor Fischer sich mit dieser Frage befasst. Um einer wahllosen und wilden Überbauung der weithin sichtbaren Hänge beizeiten vorzubeugen und ein möglichst günstiges Bild dieses Hangegebietes und Vorgeländes der Achalm zu erzielen, hat der Gemeinderat von Reutlingen mit seinem Bürgermeister an der Spitze in neuester Zeit im Bewußtsein seiner Verantwortung für diesen schönen Fleck unseres Landes einen Bebauungsplan, der noch über die Fischerschen Vorschläge hinausgeht und besondere Anbauvorschriften durch den Vorstand des Stuttgarter Stadterweiterungsamts, Oberbaurat Dr. Otto ausarbeiten lassen. Die im Hinblick auf dieses Ziel aufgestellten Vorschriften sehen an der neuen, auf halber Höhe waagrecht geführten Hangstraße geräumige, 20 Meter weite Hausabstände vor, daß die Häuser ganz in Grün eingebettet werden, und verlangen breit gelagerte, höchstens zweistöckige Häuser mit ruhigen Walmdächern. Die steilen Abhänge gegen das Tal und die bekrönende Kuppe sollen ganz von Gebäuden frei gehalten werden. An einer markanten Bergnase ist eine Aussichtsstraße mit geeignetem Baumsatz vorgesehen. Zur Vervollständigung des Ganzen soll wegen Ausdehnung dieser Bauvorschriften auch auf das zur Markung Eningen gehörige Achalmgelände mit dieser Gemeinde verhandelt werden.
Dieses Vorgehen der Stadt Reutlingen ist sehr begrüßenswert und verdient unsere volle Anerkennung. Es ist zu hoffen und zu wünschen, daß die Durchführung des Geplanten allen Widerständen zum Trotz und so ein gutes Vorbild für andere, ähnliche Verhältnisse ergeben möge.«
(Quelle: Schwäbisches Heimatbuch 1930. Herausgegeben vom Bund für Heimatschutz in Württemberg und Hohenzollern. Eßlingen a.N., S. 138/139)

Samstag, 8. Mai 2010

Erinnern Sie sich an diese Baustelle?

Heute steht hier die Galerie Müller. Die Erwartung, die Verbindungen zum ZOB würden durch den Bau geschäftlich interessant, hat sich wohl nicht erfüllt - oder?

Bildertanz-Fotos: Jürgen Reich

Montag, 11. Januar 2010

Schneemassen im Neuen Jahr... Anfang 2010


Es gibt endlich einmal wieder richtig viel Schnee: Die Bilder wurden am Samstag, 10. Januar 2010 auf der Wilhelmstraße in Reutlingen gemacht.

Bild links: Gefrorener Brunnen und Blick auf die alte Kachel`sche Apotheke.
Bild rechts: Blick auf die untere Wilhelmstraße, rechts die Apsis der Nikolai-Kirche.

Fotos: M. Kurz