Mittwoch, 2. Januar 2013

Bildertanz - ein Blick zurück nach vorn (4)


2013 wird die Idee des Bildertanzes zehn Jahre alt. Grund genug, zur Jahreswende einmal zurückzublicken / Von Raimund Vollmer 

Im Anfang war das Wort, und es hieß "Flash" (TEIL IV)

Für die Entwicklung der Multimedia-Shows benutzte ich damals (und auch noch heute) eine Software namens Flash. Wenn ich gewusst hätte, wie schwer es für mich sein würde, dieses Programm zu lernen, hätte ich es wahrscheinlich nie angefangen.Aber den Bildertanz würde es dann heute auch nicht geben. (Ob das allerdings schlimm wäre oder nicht, muss jeder selbst beurteilen... ;-))
Ich hatte 1999 den Auftrag, eine sogenannte "Zeitmaschine" zu entwickeln. Nein, nein, der Kunde hieß nicht H.G. Wells, sondern war die IBM Deutschland. Und die Zeitmaschine war nichts anderes als eine Powerpoint-Präsentation, die bei einem Kongress in Cannes als selbsttätig laufendes Programm gezeigt werden sollte. Inhalt: Lauter Prognosen und Fehlprognosen aus den letzten 100 Jahren. 
Das passte wunderbar zum bevorstehenden Jahrtausendwechsel, meinte mein Kunde.
 Arbeit am Jubiläumsfilm der Volksbank Reutlingen, Partner des Bildertanzes: Die verwirrende Welt von Flash

Ich machte mich ans Werk, und - ganz ehrlich - ich bekam zwar eine Menge Stoff zusammen, aber optisch war das Ganze eine Katastrophe. Trotzdem: die Leute freuten sich an den Inhalten. Und ich konnte etwas großspurig behaupten: ich hätte meine Multimedia-Show sogar in der südfranzösischen Filmfestivalmetropole Cannes gezeigt. Aber das war natürlich maßlos übertrieben, und ich habe es auch immer nur mit einem Augenzwinkern behauptet.
Jedenfalls bei der Übergabe meines Werkes an die Veranstaltungstechniker fragte mich einer der Mitarbeiter (es war ein Engländer) beim Blick auf die Show, warum ich das nicht mit "Flash" gemacht hätte. Ich schaute ihn reichlich blöd an. Von dieser Software hatte ich noch nie etwas gehört. Doch den Tipp merkte ich mir.
Wieder zuhause recherchierte ich ein wenig. Es war die Zeit, als Google noch ein Mysterium und das Internet ein noch größeres Geheimnis war. Wir hatten zwar schon daheim Internet-Anschluss, aber das war alles noch sehr in den Anfängen. Vor allem meine Töchter nutzen das Netz. Ich hatte Osiander. Da gab es Fachbücher, in denen man herumstöbern konnte, ohne sie gleich kaufen zu müssen.
Auf jeden Fall erwarb ich irgendwann im Sommer 2000 das Programm und wollte loslegen. Pustekuchen. Ich verstand gar nichts. 500 Mark hatte ich ausgegeben - und nun das. Für 2000 Mark hatte ich mir zudem noch einen Laptop zugelegt, damit ich auch das, was ich auf meinem Computer entwickelte, jedermann überall zeigen konnte.
Inzwischen hatte ich mir fünf oder sechs teure Bücher gekauft, um mir diese Software erklären zu lassen. Ich verstand immer weniger, aber das auf immer höherem Niveau. Wir machten in dem Jahr Ferien in Spanien. ich nahm meinen Laptop, die Bücher und die Software mit, saß 14 Tage lang jeden Nachmittag etliche Stunden auf der Terrasse unseres Ferienhauses und lernte "Flash". Meine Kinder machten einen Riesenbogen um mich, weil ich sie ständig  mit meinen selbstgebastelten Demos nervte. Wieder zuhause lernte ich weiter, allmählich verstand ich die Prinzipien von Flash, wurde immer besser - und nerviger. Denn mit meinen Filmchen belästigte ich nicht nur meine Familie, sondern auch meine Kunden, die - weil sie mir freundlich gesonnen waren - toll fanden, was ich da zusammenstellte. Ich glaube, wenn sie mir gesagt hätten, welchen Mist ich da produziert habe, ich hätte "bestimmt vielleicht" aufgegeben.
In einer meiner ersten Animationen, denn das ist es, was Flash produziert, habe ich versucht, die "Geschichte des Internets" als eine Art Daumenkino (das ist das Prinzip von Flash) zu erzählen. Grausig. Und es wurde auch nicht besser dadurch, dass ich aus einer CD mit 20.000 Sounds eine eigene Musik zusammenstammelte. Aber ich war stolz und stur. Ich bekam sogar schon ein paar kleinere Aufträge. Ich durfte sogar 2002 das Jubiläum eines befreundeten Unternehmens mit meinen Kreationen begleiten. Im Nachhinein habe ich den Eindruck, dass mir mancher Kunde ganz einfach nur helfen wollte, weil sie sahen, wie sehr ich mich da engagierte.
In gewisser Weise hatte mich die nackte Existenzangst dazu getrieben, mich mit Multimedia zu beschäftigen.
2013 ist das Jahr, in dem ich auf 40 Jahre journalistische Arbeit zurückblicken kann. Meine Arbeit bestand vor allem aus Schreiben, Schreiben und nochmals Schreiben. Das war mein Leben, meine Leidenschaft. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass mir die Welt der Bilder völlig fremd sei. Aber ich stellte fest, dass die Menschen immer weniger lasen und immer mehr guckten. Nicht mehr wir Textmenschen, sondern die Grafiker bestimmten mehr und mehr darüber, wo es lang ging. "Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte". Diesen Satz hasste ich über alle Maßen. Denn damit brachte man mich, den Mann der 1000 Worte und mehr, regelmäßig aus dem Geschäft. Wir Schreiber wurden entmachtet, trauten uns immer weniger, wurden immer schlechter. Optik war alles. (Meine Verbitterung führte schließlich zu der bösen Erkenntnis: "Immer mehr Leute, die nicht schreiben können, arbeiten für Leute, die nicht lesen können.")
Doch was nützte es. Bild regierte die Welt. Ich spürte, dass ich alles in meinem beruflichen Leben änderte musste.
Allerdings hatte ich in gewisser Weise ein Erweckungserlebnis gehabt. Bei einer Zugfahrt mit einem IBM-Manager unterhielten wir uns über Menschen und Typen. Ich erklärte ihm, dass ich ein absolut textorientierter Typ sei. Der Manager bezweifelte dies. Und dann machte er einen Test mit mir. "Können Sie sich an Ihren ersten Schultag erinnern?" Ich dachte einen Augenblick nach. Was ich nicht wusste: auf diesen Augen-Blick kam es in Wirklichkeit und im ganz wortwörtlichen Sinne an. Ehe ich ihm die Antwort geben konnte, sagte dieser Manager zu mir: "Sie denken in Bildern." Ihn interessierte meine Antwort überhaupt nicht, sondern nur wohin meine Augen gingen, als ich über die Antwort nach dachte. Ich schaute dabei in die Ferne, nicht in mich hinein. Das war für ihn der entscheidende Hinweis.
Ob nun an diesem Test was dran war oder nicht, war eigentlich nicht wichtig. Jedenfalls habe ich mich selbst fortan anders gesehen als vorher. Aber die Wut auf die Grafiker hat es mir nicht genommen. Denen wollte ich es zeigen. 

Alles was ich über Flash wusste, warf ich in ein einziges Projekt hinein - in eine Flash-Animation. Der Name: "BILDERSTURM - In sieben Minuten durch sieben Jahrzehnt in 2002 Bildern". Meine Idee war es, einen Film zu machen, an dessen Ende die Zuschauer sagen würden: "Ich will keine Bilder mehr sehen". Natürlich hatte ich, der ich ja immer mit meinem katholischen Glauben kokettierte, einen Heidenspaß an der Vorstellung, einen BILDERSTURM zu inszenieren.
Das Experiment scheiterte. Niemand kam nach der Präsentation dieses Film zu mir und sagt, dass er fortan keine Bilder mehr sehen wolle. Stattdessen wurde der BILDERSTURM ein - jedenfalls für meine Verhältnisse - Riesenerfolg, übrigens auch bei späteren Bildertanz-Veranstaltungen.
Anfangs brauchte man, um den Film abspielen zu können, zwei Laptops, weil ein Rechner allein mit der Flut der Bilder und der Musik überfordert war. Insofern war der Flash mehr ein Maschinenstürmer als ein Bilderstürmer. Ich habe immer mehr Versionen davon machen müssen, sogar eine englische. Unternehmen setzten den Film ein für interne Veranstaltungen zumeist als Intro. Mit ein wenig Angeberei, die mir ja völlig fremd ist, hätte ich also sagen können, dass von Altenburg aus ein Film um die Welt ging (und das habe ich natürlich auch so gesagt, allerdings mit einem Augenzwinkern).
Der BILDERSTURM war jedenfalls der Grund, warum ich mir nun auch zutraute, einen ganzen Abend mit solchen Multimedia-Einlagen zu füllen. Allerdings hatte ich den Aufwand, den die Zusammenstellung von Filmen für unseren Bildertanz-Dorfabend erforderte, hoffnungslos unterschätzt.
Doch am 13. November 2004 war dann die Welturaufführung. 
TEIL I // TEIL II // TEIL III // TEIL IV // TEIL V //

Kommentare:

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