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Samstag, 8. Januar 2011

Carl Bames: Willkommen im Neuen Jahr (Teil 6)


Reutlinger Wein: Wir machen ein Fass auf. 100 Jahre nach dem Bames-Gedicht.
Bildertanz-Quelle: Ruth Haussmann (Reutlingen)

Nun, Freunde, ich schließe mit freundlicher Bitt':
Seid fröhlich und gerne in unserer Mitt'
Und glaubet, daß alle uns herzlich es freut,
Wenn Euch die Reise nach Reutlingen nicht reut.

Und sollte Euch munden der Reutlinger Wein,
so wollen wir heiter und lustig jetzt sein!
Ihr Freu
nde stoßt an und erhebet den Pokal:
Hoch leben die Gäste beim festlichen Mahl!

Carl Bames, Chronica, 1865

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Außerdem bemerkt der Verfasser zum Jahr 1865:
»In diesem Jahr wurde die Besoldung der Lehrer sowohl an den höheren Lehranstalten als auch an der Volksschule namhaft erhöht.«
Na, dann: Prost Neujahr!
Am Montag beginnt wieder die Schule.

Um 1965: Zwei Lehrer der Technikerschule prosten sich zu.
Bildertanz-Quelle: Otto Künstle

Freitag, 7. Januar 2011

Carl Bames: Willkommen im Neuen Jahr (Teil 5)


Das pomologische Institut vor 100 Jahren.

Auch haben wir Leder- und Tuchmesse hier,
Und eine Webschule besitzen auch wir,

Und ein pomologisches Institut,
Besuchet sie alle, Ihr Herren, seid so gut.


Die Achalm mit ihren Ruinen ragt hoch,
Wer Zeit hat und Lust, der besteige sie doch;
Auch zu dem Besuche von Lichtenstein
Lud Graf Wilhelm von Württemberg ein.

Carl Bames, Chronica, 1865

Hierher hatte 1865 der Gewerbeverein eingeladen: Gasthof Ochsen. Aus diesem Anlass hatte Stadtchronist Carl Bames unser Neujahrsgedicht verfasst, dessen letzten Teil wir morgen veröffentlichen. Das Bild zeigt den Gasthof im Jahr 1910. Er musste 1933 dem Neubau der heutigen Kreissparkasse weichen. Ob dadurch der Marktplatz schöner wurde...
Bildertanz-Quelle: Charleys Schatulle

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Donnerstag, 6. Januar 2011

Carl Bames: Willkommen im Neuen Jahr (Teil 4)


Bruderhaus-Gelände mit Echaz
Bildertanz-Quelle: Charleys Schatulle

An unserer Echatz da könnet Ihr seh'n
Fabriken und Mühlen mit Räderwerk steh'n;
Die liefern Artikel hinaus in die Welt
Beinahe wie Barmen und Elberfeld.

Hoch sehet die Schlöte Ihr ragen hier auch
Mit ihren kohlschwarzen, vulkanischem Rauch;
Das rasselt und siedet und brauset und kocht,
Von Ferne schon hört man. wie's klappert und pocht.

Carl Bames, Chronica, 1865

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Mittwoch, 5. Januar 2011

Carl Bames: Willkommen im Neuen Jahr (Teil 3)


Das Gerberviertel, auch bekannt als "Klein-Venedig": Zu Zeiten von Carl Bames, im 19. Jahrhundert, gehörte es noch zum Stadtbild wie die Marienkirche.
Bildertanz-Quelle: Gärtnerei Hespeler, Wannweil

Die Reutlinger Gerber sind rühmlich bekannt,
Die Färber auch weithin im deutschen Land;
Sie haben schon manchem das Leder gegerbt,
Und manchem Studenten den Rücken gefärbt.


Reutlingerinnen in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts
Bildertanz-Quelle: Gärtnerei Hespeler, Wannweil

Die kräftigen Reutlinger Töchter und Frau'n
Sind fleißig und freundlich und lieblich zu schau'n;
Nur haben die Weiber die Hosen an,
Und manche von ihnen beherrscht ihren Mann.


Carl Bames, 1865

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Dienstag, 4. Januar 2011

Carl Bames: Willkommen im Neuen Jahr (Teil 2)


Prost Neujahr: Theodor Heuss, Bundespräsident, und Oskar Kalbfell, von 1945 bis 1973 Oberbürgermeister von Reutlingen, prosten sich zu.

In Reutlingens Mauern da ist es gut sein,
Man trinkt guten Bierstoff und schenkt reinen Wein,
Und wandelt auch einer benebelt die Straß',
Er fällt nicht, sie ist ja beleuchtet mit Gas.

Auch gibt es hier Kümmicher, Käse und Wurst,
Zu stillen den Hunger, zu reizen den Durst,
Und Kuchen, mit Zwiebeln gewürzt und mit Speck,
die ißt man all' Sonntag beim Becker hier weg.

Carl Bames, 1865

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Montag, 3. Januar 2011

Willkommen im Neuen Jahr...


Der Marktplatz 1905: In der Mitte sieht man das Gasthaus Zum Ochsen, das 1930 abgerissen wurde.
Bildertanz-Quelle: Charleys Schatulle

... mit einem Gedicht von Carl Bames, der damit am 5. November 1865 die Gäste des Gewerbevereins Reutlingen begrüßte. Der Verein feierte sein 25jähriges Bestehen im Gasthof zum Ochsen am Marktplatz. Hier steht seit 1933 das Gebäude der Kreissparkasse Reutlingen.

Willkommen seid alle von nah' und von fern,
Ihr werthesten Freunde und wertheste Herrn!
Ihr habt uns die Ehre und Freude gemacht,
Daß Ihr uns mit Eurem Besuche bedacht.

Seit wir uns erfreuen der Eisenbahn,
Da kommen viel fremde Besuche hier an,
Zu sehen die alte, gewerbsame Stadt,
Die auch noch geschichtliche Denkmäler hat.


Außerdem vermerkt Carl Bames:
"Im Sommer 1865 kam zuerst ein Methodisten-Missionar nach Reutlingen, Namens Wolpert, der religiöse Vorträge zu halten anfieng."
Carl Bames, Chronica

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Donnerstag, 4. Februar 2010

1859: Als die Bahn nach Reutlingen kam


Reutlinger Bahnhof vor 100 Jahren

Im November 1859 kam der erste "Bahnzug" nach Reutlingen. Damit war wohl offiziell der Bahnbetrieb aufgenommen worden. Unser Carl Bames verfasste dazu folgendes Gedicht:

Begrüßung des ersten Bahnzuges.

Bildertanz-Quelle: Richard Wagner, Eningen

Reutlinger
all! herbei, heran!
Eröffnet ist die Eisenbahn,
Das Dampfroß hört man brausen,
Und die Kanonen donnern d'rein
Die Leute steh'n in dichten Reih'n
dort auf dem Bahnhof draußen.

Vier Züge kommen täglich her,
Vier gehen ab, das gibt Verkehr
Und bringt uns viele Gäste;
Die lassen hier ihr gutes Geld,
Und Zufuhr kommt aus aller Welt,
Von jedem Land das Beste.

Nicht mehr im trägen Omnibus
Man in dem Staube reisen muß.
Mit Dampf wiurd jetzt gehaudert;
Zwei Stunden dauert nun die Fahrt
Nach Plochingen und nach Stuttgart,
Da wird nicht lang gezaubert.

Wir reisen auf die Messen schnell,
Sind überall an Ort und Stell'
Mit unseren Fabrikaten,
Und uns're rege Industrie
Blüht auf und dehnt sich aus, wie noch nie
Aus noch den fernsten Staaten.

Blitzschnelle Nachricht uns verschafft
Des Telegraphen Zauberkraft,
der mit der Bahn verbunden;
Durch ihn sind wir im Weltverband
Und wissen, was in jedem Land
Geschah vor wenigen Stunden.

Drum juble nun auch Stadt und Amt
Und lasst uns danken insgesamt
Dem, der uns dieß gegeben!
Dem König, der uns so bedacht,
Sey ehrfurchtsvollster Dank gebracht,
Hoch soll der König leben!


Carl Bames, Chronica