Montag, 29. Februar 2016

Jenseits des Karlsplatzes: Als die "Postarkaden" noch ganz anders aussahen...

 Um 1910 - Bildertanz-Quelle: Sammlung Fritz Haux
Wahrscheinlich um 1970er - Bildertanz-Quelle: Richard Wagner
Aus der heutigen Zeit
Bildertanz-Quelle:Raimund Vollmer
Stadtentwicklung ist ja ein heißes Thema, bei dem man sich sehr schnell die Pfoten verbrennen kann. Bei diesen Bildern haben wir nun mal die Chance, einen echten Vergleich zwischen gestern und heute zu ziehen. An welcher Ansicht würden wir am liebsten vorbeistreifen - an der aus dem Jahre 1910, der aus den siebziger Jahren oder der von heute? Urteilen Sie mal nach Schönheit (Design) und nach Charme...

Sonntag, 28. Februar 2016

Gut's Nächtle!

Gesehen gestern in Sickenhausen
Bildertanz-Quelle: Raimund Vollmer

Stadtentwicklung: Ist der Bildertanz stockkonservativ?


Die Stadtentwicklerin Katrin Korth ist wohl nicht ganz so einverstanden mit dem, was Raimund Vollmer jüngst hier im Bildertanz über Reutlingen schrieb. Bevor ihr Kommentar im Folgegeschäft unseres Tagebuches untergeht, stellen wir ihn hier einmal besonders heraus. Und eine Antwort bekommt die in Sachen RT hochengagierte Amtsleiterin natürlich auch.

Lieber Raimund Vollmer, Ihr Post hätte etwas Besonderes werden können. Die Bilder aus den 60ern zeigen uns aus unserem heutigen Blickwinkel heraus bewertet bauliche und auch gesellschaftliche Veränderungen. Auch Kleinvenedig gab es damals noch. Ob die Menschen seinerzeit die Veränderungen wollten? Die baulichen möglicherweise ja. Straßenbahn, vierspurige Karlstrasse und Listplatzbrunnen verhießen Zukunft. Dafür musste einiges weichen - liebgewonnenes, gewohntes und manches, dessen man sich schämte. Ob der Niedergang der Industrie von allen gutgeheißen wurde, darf bezweifelt werden. Schade ist, dass in einer Stadt, in der nahezu jeder/jede Zweite in Industrieunternehmen mit wohlklingenden, aber längst vergangenen Namen beschäftigt war, kaum etwas daran erinnert. Sie wollen das Morgen am Gestern messen. Doch das Morgen ist außerhalb unserer Vorstellungskraft. Geht es also nicht vielmehr um Veränderung gegenüber Bewahren? Veränderung ist unbequem und kann Angst machen. Ihre Bilder bewahren. Und worum geht es bei Stadtentwicklung? Es geht um Gestaltung der Zukunft und Veränderung, das kann Unbehagen bereiten, denn es ist schwer vorstellbar, trotz aller schönen gemalten Renderings. Sie geben der Zukunft keine Vergangenheit, sondern mauern Sie mit den bewahrenden Bildern ein. Das ist für mich das einzig bedauerliche am Bildertanz, den ich sehr mag. Was wäre also notwendig: der Blick auf die Vergangenheit (Bildertanz!!!), der Blick auf die Brüche (denn sie machen das eigentliche Potenzial einer Stadt aus) und eine breit angelegte Diskussion über die Stadtentwicklung der Zukunft und die Rahmenbedingungen dafür. Hochachtungsvoll Dr. Katrin Korth
Die Antwort von Raimund Vollmer


Liebe Frau Doktor, zuerst einmal vielen Dank für Ihren Kommentar, der mich natürlich sofort zwang, noch einmal das zu lesen, was ich geschrieben habe (und gar nicht den Anspruch hatte, "etwas Besonderes werden" zu wollen, sondern eher aus einer Schreiblaune heraus entstanden ist).
Zum zweiten: Nichts würde mich mehr freuen, wenn es tatsächlich in dieser Stadt zu einer - wie Sie schreiben - "breit angelegten Diskussion über die Stadtentwicklung" käme. Und ich weiß, dass wir Reutlinger da bei Ihnen viel Kompetenz aufblitzen sehen würden, die uns den Umgang mit und den Zugang zum wirklich Neuen erschließen würde. Es wäre eine spannende Diskussion, in die sich auch die sogenannten "Entscheider", also der Rat, einbringen müssten. Aber da haben wir Bürger das Gefühl, dass man lieber in seiner Vergleichsreihe bleibt, unter sich und immer in gepflegter Überlegenheit. Das meinte ich übrigens mit Elite, die letzten Endes der Avantgarde keine Chance gibt. Deswegen haben wir in Reutlingen so viele Nach-Bauten von Konzepten, die anderswo schon lange Wirklichkeit sind. Seit mehr als 30 Jahren gibt es in Tübingen das Nonnenhaus mit seinem kleinen "Wohn-Dorf" über dem Einkaufszentrum, das mich sehr stark in seiner Konzeption an den neuen Katharinenhof erinnert. (30 Jahre später!!!). 
Ich fürchte nur, dass die manchmal burschikose, ruppige und auch manipulative Art, mit der Stadtentwicklung in Reutlingen vorwärtsgetrieben wurde, uns zu oft signalisiert hat, dass eine solche Diskussi gar nicht erwünscht ist. Die Folge ist, dass - wie zum Beispiel beim Rathaus - bis heute die Akzeptanz in weiten Teilen der Bürgerschaft fehlt. Ich sage mit Absicht "Bürgerschaft", weil wir allzu oft den Eindruck haben, eigentlich nur als "Einwohner" behandelt zu werden.Dabei gibt es kaum Bürger, die sich noch an die Zeit erinnern, an der ein ganz anderes Rathaus hier stand. Dazu gibt es nur noch Bilder, die aber - im Vergleich zu dem, was heute ist - manchem "Einwohner" den Atem stocken lässt.

Im übrigen reden wir immer nur über Stückwerke wie jetzt über den Katharinenhof, der wenigstens  einen wunderschönen Name bekommt.
Zum dritten: Das muss jede Stadtentwicklung aushalten - die Frage danach, ob das, was kommt, besser ist als das, was war? Dies muss sie sich vor allem dann fragen lassen, wenn sie selbst - und nicht ein Krieg oder eine Feuersbrunst - das zerstört hat, was sie anschließend neu, in anderer Weise und mit anderer Funktion aufbaut oder errichten lässt.
Der Begriff "Schämen", den Sie anführen, hat bestimmt seine Bedeutung. Und ich gestehe, dass vieles, dessen man sich vor seinem Abriss schämte, Jahre später den Charme der Erinnerung gewinnt, der das ehemals Schandmalige überlagert. "Dirty old town" singt Esther Ofarim vor 50 Jahren. Und die Städte von damals, aus dem Nachkriegsdeutschland herausgestampft, fallen einem bei diesem Liebeslied ein. Es ist die Erinnerung an die Liebe, die zwei Menschen an der Fabrikmauer fanden, die das Lied tragen. Und so geht es den Menschen, die unsere Bilder sehen. Wir selbst, die Macher, sind oftmals erstaunt, welche Affekte Bilder auslösen, die eigentlich gar keine besonderen Merkmale auszeichnen.
Es sind Erinnerungen damit verbunden - und die nehmen Menschen ein ganzes Leben lang mit.
Wir geben mit unseren Bildern diesen Erinnerungen eine Zukunft. Deswegen besuchen immer mehr Menschen unsere Seiten hier und auf Facebook.
Vielleicht klingt es für eine Stadtentwicklerin unfair, wenn wir dann die Neubauten und Neugestaltungen an den alten Bildern messen. Und doch gibt es ein Kriterium, das zumindest in Reutlingen der Vergangenheit fast immer den emotionalen Primat über die Zukunft gibt. Die höchsten Zustimmung aus der Nachkriegsgeschichte bekommen die Bilder, die für Urbanität stehen. Da ist Gegenwart und Zukunft nahezu stets der "Looser".
Was wir hier im Vergleich zwischen gestern und morgen anmahnen, ist genau dieser Mangel an Urbanität, der wahrscheinlich zum ersten Mal wirklich nachhaltig aufgehoben wurde in der Zeile am Tübinger Tor. Die gilt weithin als gelungen. Vielleicht auch deshalb, weil hier nicht kaltes Design definiert, was Schönheit ist, sondern lebendige Urbanität.
Ich war dieser Tage in Nürnberg - einer alten Reichsstadt, die der Krieg komplett verwüstet hat, viel stärker jedenfalls als Reutlingen. Hier hat man die Stadtmauern wieder errichtet, ohne die Einfallsstraßen, die die Moderne verlangt, zu vergessen. Hier steht das Moderne neben dem Alten (oder wieder Alten), ohne dass ich - als Besucher dies als Bruch empfand, sondern als Kommunikation miteinander ansah. Es gibt Museen und Kulturtempel, die sowohl im alten wie auch im neuen Stil daherkommen. Es ist ein Wechselspiel, auf das sich Reutlingen nie eingelassen hat - (mit dem gelungen Ansatz am Tübinger Tor und auch am Spendhaus als Ausnahme). Ansonsten herrscht doch recht viel Barbarei (sagen wir es einmal ganz brutal).
Hart traf mich der Vorwurf, dass ich mit den Bildern Vergangenheit einmauere. Quatsch. Nochmals deutlich: Ganz großer Quatsch. Kein Tourist würde heute nach Paris reisen, wenn Le Corbusier seinen Plan Voisin nach 1925 hätte realisieren dürfen (allenfalls um das Fürchten zu lernen). Nach Rom reist keiner wegen der modernen Architektur. Köln lebt von seinen Kirchen.
Aber das ist alles gar nicht mal so relevant, nicht mal als Gegenargument zu dem Vorwurf. Was die Menschen suchen und weshalb sie eine Stadt lieben, sind die Orte der Begegnung. Das ist Urbanität. Und im Abgleichen zwischen gestern, heute, morgen ist dies das allein entscheidende Kriterium. Es prägt die Singularität, den Punkt, an dem die Menschen sagen: "Hier fühle ich mich wohl. Das ist meine Stadt." Stadtentwicklung muss genau diese Plätze schaffen. Dann stehen die Bilder aus hier und heute, aus gestern und morgen überhaupt nicht mehr im Widerspruch.
Wer das beherzigt, wird eine wunderbare Stadtentwicklung herbeiführen. Wer es nicht tut, darf sich nicht wundern, wenn sich die Menschen ihre Plätze dann selbst schaffen - wie zum Beispiel im Internet. Der Bildertanz ist offenbar mehr Zukunft, als Reutlingens Stadtplaner offenbar momentan verkraften. Punkt. (Und alle Fragen offen...)
Ihr Raimund Vollmer


Bildertanz-Quelle:RV

Samstag, 27. Februar 2016

Mittwoch, 24. Februar 2016

Der Marktplatz: Ein 80-Jahre-Vergleich


 
 Bildertanz-Quelle:Sammlung Fritz Haux (1932)/Raimund Vollmer (aktuell 2013 und 2015)

Dienstag, 23. Februar 2016

Die Stadthalle: Wenn man bedenkt, wie filigran der Bau einmal geplant war...

So war das zweitpreisgekrönte Modell 2008.. Einen ersten Preis gab es gar nicht.


... und so sah es mal 2011 aus. Aber dann kam alles irgendwie doch anders,
Kurz vor der offiziellen Eröffnung 2013...

Bildertanz-Quelle:Raimund Vollmer

Sonntag, 21. Februar 2016

In der Markthalle 2011













Bildertanz-Quelle:Raimund Vollmer

Herzog Ulrich und die Ohrfeige von Reicheneck

Als Herzog Ulrich eine schallende Reichenecker Ohrfeige bekam, ist das fast 500 Jahre her. Doch Erwin Bleher, 88 Jahre jung, erzählt es so, als sei er selbst dabei gewesen. Wir haben den früheren Bezrks-Bürgermeister von Reicheneck in seinem Milieu gefilmt: Im Rathaus, wo er 28 Jahre lang herrschte und nach der Landesgartenschau 1984 alles daran setzte, dort eine Heimatstube zu errichten. Hier erzählt er - kostenlos und liebend gerne - die Geschichte seines Ortes. Dabei stammt er eigentlich aus Gruorn, aber das ist eine ganz andere Geschichte, die wir demnächst hier auch erzählen werden. Der Film hier ist eine gekürzte Fassung seines Vortrages, den wir gleich zweimal aufgenommen haben - einmal mit Geburtstagsgästen einer Sondelfinger Familie und einmal mit den Mitgliedern des Altenburger Bezirksgemeinderates, die im Januar einen Ausflug in den Nachbarort unternahmen. Also, das ist dann mal ein etwas anderes Sonntagsprogramm.
Reicheneck wird dieses Jahr 700. Und der Bildertanz hat dazu ein 45minütiges Portrait zusammengestellt. Es ist nicht nur ein Feature über Reicheneck, wie es sich heute darstellt, sondern auch ein Ausflug in die Geschichte, wie dieser Beitrag von Erwin Bleher belegt. Raimund Vollme

Bildertanz-Quelle: Raimund Vollmer

Freitag, 19. Februar 2016

Mittwoch, 17. Februar 2016

Mittlere Wilhelmstraße: Ein Jahrhundertvergleich (2014/15 versus 1907)


Bildertanz-Quelle: Bildertanz-Archiv

Als in Reutlingen der Ein-Mann-Hubschrauber gebaut wurde...


Helmut Mühleisen aus Öschingen schreibt uns zu diesem Bild, eine Rarität aus seinem Fundus: "Wie vielleicht wenig beachtet, brachte anfangs der 1960er Jahre die traditionsreiche Reutlinger Maschinenfabrik Burkhardt & Weber KG eine bahnbrechende Erfindung auf den Markt: den B+W Ein-Mann-Hubschrauber. Es wurden damals große Geschäftserfolge mit Exporten in alle Welt erzielt. Auch die Bundeswehr erprobte einige Modelle davon auf dem TrÜbPl MÜNSINGEN. Ein Modell kann man noch im Deutschen Museum sowie im Technikmuseum Sinsheim besichtigen.Heute noch fliegen einige wenige Exemplare im Kirschengäu Dettingen/Erms zur Bekämpfung der Kirschfruchtfliege."
Erstveröffentlichung um 20. Juni 2011

Sonntag, 14. Februar 2016

1913: Die "Realschule" und die "Jahnturnhalle"

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Bildertanz-Quelle: Sammlung Anna-Katharina Gerstenecker

Bildertanz-Quelle: Raimund Vollmer (aktuell)

Samstag, 13. Februar 2016

Die Samstagsstory: Das Bad, die Hochzeitsgelage und das Kronprinzenhotel


Ja, so war'n die alten Reutlingersleut: 

Wie es vorher war, ist wohl unbekannt, aber zwischen dem 14. Jahrhundert und dem 30jährigen Krieg gab es drei Badehäuser in der Stadt. Das eine stand beim Tübinger Tor, war vermutlich in der Katharinenstraße und wurde Mettmannsbad genannt. Das andere nannte sich Spiegelbad und lud dort ein, wo heute die Oskar-Kalbfell-Turnhalle steht. Das Kutzinbad lockte mit seinen Badezubern in der Mauerstraße am Gartentor. Nun war man alles andere als schüchtern und verklemmt im Reutlingen des Mittelalters. Denn die Badezuber standen offen in einem Saal und man unterhielt sich von Wanne zu Wanne. Man spielte Karten, man tafelte oder ließ sich rasieren. Wer wollte, ließ sich (vom Bader) schröpfen, also Blut abzapfen, um sich so von irgendeinem Wehweh zu befreien. Aus dem Jahr 1540 ist bekannt, wie teuer denn das Bad war. Sechs Kreuzer zahlte man auf Beschluss des Stadtrates für ein Solo in der Wanne. Wer sich den Zuber mit jemand anderem teilte, der musste acht Kreuzer für das Doppel hinlegen. Dabei gab es offenbar keine Trennung nach Geschlechtern. Zumindest in Reutlingen war es den Herren im Rat egal, ob das Pärchen miteinander verheiratet war oder nicht.
Da das Kutzinbad an der Mauerstraße besonders großzügig angelegt war, konnte man dies auch während der Feierlichkeiten für Hochzeitsgesellschaften mieten - und zwar für zwei Badezeiten. Da es 18 Zuber gab, hatten also 36 Hochzeitsgäste den Badespaß. Wer unter einer ansteckenden Krankheit litt und deshalb isoliert lebte, durfte sich trotzdem alle drei Wochen ordentlich waschen. Dann stand den Siechen das Bad zur Verfügung. Mit dem Großen Brand von 1726 verschwand auch das Kutzinbad. Doch vier Jahrzehnte später lebte es als Schradinsches Bad wieder auf. Jetzt war es sogar Kurbad. Dort badete man im Schwefelwasser des Heilbrunnens. Der Ulmer Arzt Dr. Frank hatte nachgewiesen, dass das übelriechenden Wasser aus den "Äußeren Rietwiesen" gut war gegen alle möglichen Plagen wie "Haimorrhiden, Stein, Gicht Hysterie, Stockungen des Unterleibs und daher rührende Hypochondrie", heißt es bei Hans Kungl in den Reutlinger Geschichtsblättern. Der Arzt sah aber auch Heilwirkungen gegen "Flechten, Kretze, Ulcus und veraltete syphilitische Leiden". 
 Links das Hotel Kronprinz, rechts geht es dort, wo heute der Kaufhof steht, am Gasthof Löwen in die Gartenstraße hinein, durch die auch - man sieht es an den Gleisen - die Büschelesbahn fuhr.

Ganz schön mondän war das nicht nur zuhause weltberühmte Kurhotel zum Kronprinzen. Im Hintergrund sehen wir den Reutlinger Hauptbahnhof.

Hier sehen wir eine Uraltaufnahme des 1835 errichteten Hotel Kronprinz. 

Und wo Kuren möglich sind, da ist dann irgendwann auch ein Kurhotel fällig. Das entstand 1835 am heutigen Listplatz. "Zum Kronprinzen von Württemberg" ward es genannt (und wurde 110 Jahre später Opfer des II. Weltkrieges). Das Heilwasser wurde über eine sogenannte Deichelanlage auf die zwölf Badekabinette verteilt. Und hier konnte man dann unterschiedliche Badekuren exerzieren. Da gab es neben dem einfachen Säuberungsbad das Kräuter- und das Solebad. Bald war diese Anlage so berühmt, dass es zu den angesehensten Einrichtungen in Deutschland gehörte. Es gab sogar einen mehrsprachigen Prospekt. Natürlich gab es auch ein mehr oder minder anspruchsvolles Kulturprogramm. Inwiefern Kurschatten eine Rolle spielten, ist nichts bekannt. Auf jeden Fall muss Reutlingen damals so etwas wie eine Kur- und Kulturstadt gewesen sein. Das auch noch ohne Stadthalle...

Bildertanz-Fotos: Sammlung Fritz Haux
Bildertanz-Text: Raimund Vollmer auf der Basis der im sogenannten "Tapetenalbum" gesammelten Beiträge (erstmals veröffentlicht am 26.4.2014)

Freitag, 12. Februar 2016

Reutlingen im April 1929: Der "Ostermarsch" der Elefanten

 
Aus aktuellem Anlass wiederholen wir heute einen Beutrag vom 20. April 2014. Denn heute ging durch die Medien der Bericht über einen Elefanten, die eine ostindische Stadt in Aufruhr brachte. Nicht viel anders war es am 5. April 1929 in Reutlingen.
Einmalig ist dieses Foto aus der Sammlung von Fritz Haux. Es zeigt einen der vier Elefenanten, die sich am 5. April 1929 "befreit" hatten und durch Reutlingen irrten.
Wohl unvergessen ist die Geschichte der vier Elefanten, die sich am 5. April 1929 am Güterbahnhof Reutlingen bein Verlassen des Zirkus-Zuges losgerissen hatten und in Reutlingen allerlei verwüsteten. Vor allem die Elefantendame Delhi trieb es arg. Sie hatte die Metzger- und Wilhelmstraße als ihre neues Revier auserkoren und stürmte nicht nur die Gassen, sondern auch die Läden. Bis sie schließlich wieder eingefangen werden konnte, hatte sie so manches Unheil angerichtet. Doch für die Reutlinger wurde sie zum Star. Jedesmal, wenn ihr Arbeitgeber, der Circus Krone, nach Reutlingen kam, wurde die Dame gefeiert. 1966 kam sie allerdings an den Folgen eines Brandes in Mannheim um. Zwei Jungen hatten aus Ärger darüber, dass sie keine Freikarten bekommen hatten, das Feuer gelegt.
Der - laut GEA - aus Eningen stammende Künstler Willo Rall (1888-1960), der damals den Zirkus begleitete, hat übrigens obige Zeichnung angefertigt, die es auch als Postkarte gab.

Bildertanz-Quelle: GEA, 5.4.1979; "Vier Elefanten trabten durch die Stadt"



Der Reutlinger General Anzeiger berichtete damals ganz groß über dieses Ereignis. Helmut Akermann, der zur Erinnerung dieses Ereignis in einem Rahmen festhielt, hatte uns ein Jahr zuvor mit einer Fülle von Filmnegativen beglückt, mit deren Einscannen wir wohl auch fürderhin beschäftigt sind - zumal immer wieder Kostbarkeiten dazu kommen wie etwa das Album von Fritz Haux, in dem wir das obige, bislang vielleicht sogar unbekannte Bild gefunden haben. Dem Akermannschen Fotogeschäft haben die Elefanten ebenfalls einen Besuch abgestattet.