Sonntag, 15. September 2013

Fotografierverbot bei der Ausstellung eines Meisterfotografen...

... gab es heute für den Bildertanz. Als großer Bewunderer der Fotos von Manfred Grohe hatte ich mir die ganze Zeit vorgenommen, mir auch seine wunderbare Ausstellung im Heimatmuseum anzuschauen und darüber zu berichten. Heute war die allerletzte Gelegenheit, und ich packte meine Kamera ein und fuhr in die Innenstadt. Diesmal machst Du alles richtig, habe ich mir vorher gesagt, meinen Presseausweis an der Kasse vorgezeigt und ich bekam sogar eine Freikarte für die Sonderausstellung. Ich beneidete - es war im Vorraum - das Stadtarchiv um den tollen Film (16 mm) über das Reutlingen der sechziger Jahre, bei dem Manfred Grohe die Kamera führte. Dann wanderte ich rüber in die Ausstellung, zeigte meine Karte und erklärte dem Herrn, der über alles wachte, dass ich gerne ein paar Fotos von dem Raum machen wollte. Mir wurde erklärt, dass hier absolutes Fotografierverbot besteht. Ich kramte dann noch einmal meinen Presseausweis hervor und zeigte ihm das Stück Plastik. (Nebenbei: ich übe meinen Beruf seit 40 Jahren aus und habe 30 Jahre davon nie einen Ausweis wirklich benötigt, erst seit dem Bildertanz merke ich, dass man so etwas tatsächlich braucht.) Daraufhin erklärte mir der Herr, der über alles wachte, dass er seinen Vorgesetzten fragen müsse - und das sei der andere Herr an der Kasse. Ich wartete, hielt meine Kamera zurück und hoffte, dass der Vorgesetzte ein Einsehen haben würde. Das hatte er aber nicht. Stattdessen erklärte der Herr, der die Ausstellung überwachte, dass sein Vorgesetzter angeboten habe, dass ich am Montagmorgen umd 8.00 Uhr kommen könne. Dann würde die Ausstellung abgebaut. Ich erklärte, dass ich dann keine Zeit hätte. Ein Lächeln des Bedauerns - und ich bemerkte noch, dass ich darüber im Blog schreiben werde. Der Herr, der über alles wachte, meinte, ich sollte vielleicht noch einmal mit seinem Vorgesetzten reden. Ich ging runter und wartete, bis der Vorgesetzte an der Kasse frei sei. Das zog sich hin - und indem ich ihn so beobachtete, dachte ich, eigentlich will ich mit dem gar nicht mehr reden. Und so verließ ich ziemlich bestürzt das Gebäude.
Ich wollte keines der Bilder von Manfred Grohe abfotografieren oder sonstwie seine Urheberrechte verletzen. Ich wollte eigentlich nur zeigen, welch großes Interesse seine Ausstellung bei den Reutlingern geweckt hatte. Ein großartiger Fotograf und ein so kleinlicher "Vorgesetzter". Schade, schade. Abends durfte ich dann beim Gang mit dem Hund sehen, dass jetzt auch schon die Achalm sich vor meiner Kamera versteckte - wahrscheinlich hat sie denselben Vorgesetzten.
Bildertanz-Quelle: Raimund Vollmer

Kommentare:

PS hat gesagt…

Wahrscheinlich wird am letzten Tag einer Ausstellung keine Werbung mehr dafür benötigt.

PS hat gesagt…

Nachdem ich nach meinem ersten Kommentar hier die Seite Bildertanz-Facebook-Seite angesehen habe:

Das ganze jetzt auch noch breit zu treten halte ich für unnötig.

PS hat gesagt…

und ich hab auch noch eine Begründung für meine Meinung:

Die Presse gehört zu unserer Gesellschaft. Ohne würde verdammt viel fehlen: Information, Aufklärung, Unterhaltung...

Wenn aber einer sagt er möchte keine Presse, dann hat das die Presse zu akzeptieren.
Wenn dadurch nichts Unrechtes verborgen wird, ist das so in Ordnung.

Anonym hat gesagt…

Habe Sie gestern Nachmittag in der Ausstellung gesehen, dann aber - es waren ja so viele Besucher da - aus den Augen verloren.
Bedaure auch die Entscheidung der Museumsaufsicht, und hoffe doch sehr, dass das mit der Achalm nicht Ernst wird ...... und fragt der Gea jeden, ob er einwilligt, dass sein Bild im Gea erscheint?
R.

Werner Früh hat gesagt…

Bei den GEA Galerien zum Reutlinger Herbst 2013 wurden Tausende von Reutlingern und Reutlingerinnen - wirklich Tausende - online herumgereicht. Ich glaube kaum, dass man da alle gefragt hat

Raimund Vollmer hat gesagt…

Zu der Aussage: "Wenn aber einer sagt er möchte keine Presse, dann hat das die Presse zu akzeptieren.
Wenn dadurch nichts Unrechtes verborgen wird, ist das so in Ordnung." Dann, bitte, sollte man auch nicht die Presse einschalten, um auf eine solche Ausstellung breitenwirksam hinzuweisen. Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass Herr Grohe nichts dagegen gehabt hätte. Ich habe das Gefühl, dass es hier längst um etwas ganz, ganz anderes geht.

PS hat gesagt…

Daß es "etwas ganz, ganz anderes geht" wird für mich in dem Beitrag nicht klar. Daher ist mein Kommmentar dazu auch so allgemein gehalten.

meehr-erleben.de hat gesagt…

Schade... - so eine Entscheidung kann ich bei einer öffentlichen Ausstellung nur schwer verstehen. Man hätte ja einen Kompromiss finden und das Bildmotiv mit der Ausstellungsleitung absprechen können.

Trotzdem liegt das Hausrecht bei der Ausstellungsleitung und man muss so eine Absage - auch wenn sie noch so schwer nachzuvollziehen ist - wohl zähneknirschend akzeptieren.

Vermutlich liegt so eine Entscheidung auch daran, dass es viele Unsicherheiten im Umgang mit den Online-Medien gibt und es oft schwer fällt die Bedeutung der Online-Berichterstattung einzuschätzen.

Raimund Vollmer hat gesagt…

Lieber Meehrerleben, ich habe diese Entscheidung der Ausstellungsleitung "zähneknirschend" akzeptiert. Ihr Vorschlag in Ehren, dazu muss ich aber vorher habe ein paar Bilder machen dürfen. Bei der Polizeiberichterstattung darf genau so vorgegangen werden, obwohl hier die Behörden das Fotografieren haben verbieten wollen. Das dürfen sie nicht, sagen die Gerichte. Aber zum Schutz von Beamten, die vielleicht undercover arbeiten, dürfen sie eine Vorauswahl treffen. Was aber wäre wohl gewesen, wenn ich so vorgegangen wäre? Die Leitung hätte von diesem Urteil nichts gewusst. Und ich muss wieder rechtfertigen, rechtfertigen, rechtfertigen. Und Sie glauben gar nicht, wie sehr einem dies die Lust nimnmt - vor allem, wenn man dies alles ohne Arg und rein ehrenamtlich macht. Aber wahrscheinlich wird einem dies noch als "ehrenkäsig" ausgelegt...