Mittwoch, 1. März 2017

Mit 100 Promille die Honauer Steige hinauf...

... stampften bis zu Beginn der 60er Jahre mächtige Dampfrösser. 23,4 Kilometer lang war die Strecke von Reutlingen bis Münsingen, die am 1. Oktober 1893 eröffnet wurde. Bereits ein Jahr zuvor war die Strecke bis Honau in Betrieb genommen worden. So berichtete 1986 das Lok-Magazin in einer Titelgeschichte über die "Baureihe 97 (5) der Deutschen Reichsbahn". In dem Heft, mit Sicherheit heute eine Rarität, beschreibt der Autor Horst J. Obermayer die Geschichte und Geschicke der Zahnrad-Loks aus der Herstellung der Maschinenfabrik Esslingen. Diese Baureihe konnte - so ergaben spätere Messungen - immerhin potentiell 111 Tonnen Zuglast den Berg hinaufbewegen. Sie meisterte dabei einen Höhenunterschied von 179 Metern auf der 1,79 Kilometer Zahnrad-Strecke, wobei ihre Fahrgeschwindigkeit auf 10 Kilometern pro Stunde limitiert war. Technisch möglich waren 20 Kilometer. Zuerst drei, dann vier  Tonnen Kohle standen als "Betriebsmittel" im Kohlenkasten hinter dem Führerhaus zur Verfügung. Den 2. Weltkrieg überlebten alle vier Lokomtiven der Baureihe 97. Weil aber die Lok mit der Typenbezeichnung 97 503 doch arg in Mitleidenschaft gezogen wurde, musterte man sie 1956 aus. Die anderen drei durften weiterhin fahren. Doch schon wartete die Konkurrenz. Am 12. September 1961 traf der erste Schienenbus mit Zahnradantrieb ein, berichtet Obermayer. Am 11. Mai 1962 wurde dann die nächste Maschine, die 97 502, "von der Ausbesserung zurückgestellt". Das soll wohl heißen, dass die Phase der Ausmusterung begonnen hatte. Und am 9. Juni 1962 hatte dann auch für die Lokomotiven 97 504 und 97 501 die Endphase begonnen. Dank des großartigen Engagements der "Freunde der Zahnradbahn" ist die 97 501 heute wieder voll einsatzfähig. Am 4. Mai 1923 - sie marschiert also auf die 100 zu - ist die 97501 in Dienst gestellt worden. Am 10. August 1962 war sie ausgemustetert worden. Fast vierzig Jahre lang war sie das Echaztal entlang und den Traifelberg hinauf und zurück gefahren. Ob sie je wieder diese Strecke fahrern wird? Die Fachleute sagen: Rund zehn Millionen Euro würde die Wiederherstellung der Strecke kosten. Ist doch kein Problem bei den Zinsen...

Erstveröffentlichung: 14. November 2014
 
Bildertanz-Quelle: Lok Magazin/Sammlung Peter Finkbeiner

 Bildertanz-Quelle: Botho Walldorf
  Bildertanz-Quelle: Botho Walldorf
  Bildertanz-Quelle: Geschichts- und Heimatverein Lichtenstein
   Bildertanz-Quelle: Geschichts- und Heimatverein Lichtenstein

1 Kommentar:

Hans-Martin Hebsaker hat gesagt…

Herrliche Bilder !!!!
Da geht dem Eisenbahnfreund aus der Fremde mit Heimatbezug Reutlingen das Herz auf!