Donnerstag, 16. Juli 2026

1817 - Als Reutlingen mit dem Abbau seiner Stadtmauer begann












Vor 209 Jahren waren die Bürger der alten, aber seit 1802 nun nicht mehr Freien Reichsstadt Reutlingen ihrer alten Gemäuer überdrüssig. Die Wehranlage mit Stadtgraben und Stadtmauern hatte schon lange ihre Bedeutung verloren. Der Große Brand von 1726 hatte diese einstmals so stolzen Gewerke auch nicht schöner gemacht, aber sie waren noch weithin sichtbar und charaktervoll. Aber die Menschen hatten die Nase voll vom Mittelalter. Und so rückten die Bürger bei Nacht und Nebel der Stadtmauer zu Leibe. Die Steine der Bauten, die man nicht zu brauchen vermeint, werden weggetragen und an anderer Stelle für Neubauten genutzt.  Reutlingen verändert sich radikal. Der Ledergraben wird zugeschüttet, wichtige Wahrzeichen der Stadt, das Alb- und das Untere Tor verschwinden bis 1834.
Nur einige Reste der Zwingermauer sind heute erhalten. Sie war zwischen halbrunden Türmen eingespannt, die durch einen unterirdischen Gang miteinander verbunden waren. Dieser Gang soll unter die Häuser der Mauerstraße geführt und seinen Anfang am Albtorplatz gehabt haben. Dieser Gang, der eine Höhe von 1,60 Meter hatte, wurde unterbrochen durch sogenannte Brunnenstuben. Das Mauerwerk diente also nicht nur militärischen Zwecken, sondern auch der Wasserversorgung. Solche ein Brunnenstube soll es am Gartentor gegeben haben. Was immer noch von diesem Gang erhalten sein mag, für uns Normalsterbliche sind diese Stücke nicht zugänglich. Auf jeden Fall wurde vor 200 Jahren ganz schön Raubbau an den Mauern betrieben.
Jahre später kamen die Reutlinger zur Besinnung - und so wurde zum Beispiel das Tübinger Tor vor dem Abriss gerettet. Dennoch kam es - obwohl bei Strafe verboten - immer wieder zu Diebstählen von Steinen. Die Reutlinger hatten das Recycling entdeckt - und sich um eine Touristenattraktion gebracht, die heute jedem Vergleich mit Tübingen oder vielleicht sogar Rothenburg ob der Tauber standgehalten hätte.
Bildertanz-Quelle:Raimund Vollmer

Dienstag, 30. Juni 2026

Anlässlich einer epochalen Niederlage

"Was machst du gerade?", fragt mich Facebook. Ich sitze etwas hilflos vor meinem PC und denke, wenn ich das schreibe, was alle denken, dann kann ich mir das sparen: "Deutschland ist nicht mehr Deutschland". Zum WM-Aus.
Vor vielen Jahren habe ich mal hier im Netz geschrieben "Reutlingen ist nicht mehr Reutlingen", das war zu Zeiten unserer Oberbürgermeisterin Barbara Bosch. Ich wurde dafür heftig gerügt (bei einer Weihnachtsfeier in der Listhalle, ohne allerdings meinen Namen zu nennen oder den Begriff "Bildertanz", den die OB nach meiner Einschätzung hasste wie die Pest). Ich bekam damals einen hochroten Kopf, weil ich mit dieser öffentlichen Rüge nicht gerechnet habe.
Aber ich hatte doch recht! 2004, dem Jahr, als Frau Bosch kam, galt Reutlingen noch als eine "reiche Stadt" (FAZ), heute scheint sie bettelarm zu sein - fast möchte man sagen, abgebrannt wie 1726, und damals gab es Bettelbriefe aus echter Not. Natürlich wird niemand bei den Gedenkfeiern anlässlich des 300. Jahrestages des Stadtbrandes eine solche geistige Verbindung zwischen damals und heute herstellen. Aber in meinem verschrobenen Kopf tauchte sie auf.
Was mache ich da eigentlich gerade?, frage ich mich, während ich diese Zeilen tippe. Ich glaube, ich habe keine Lust mehr auf Heuchelei und Schönfärberei. Und ich weiß nicht, was ich dagegen machen kann...
Euer Raimund



Bildertanz-Quelle:

Dienstag, 19. Mai 2026

EINLADUNG: 21. Mai, 19.00 Uhr in RT-Altenburg

 DER EGGERHOF: Lesung mit Nocole Krieg


Eine bunte, herzhafte Mischung aus Hochdeutsch und Schwäbisch erwartet Euch am Donnerstag,  21. Mai,  ab 19.00 Uhr im Ev. Gemeindesaal, wenn uns Nicole Krieg im Rahmen der „Altenburger Abende“ aus ihrem Roman „Eggerhof“ vorliest. 1972 geboren bringt sie uns das Leben auf einem schwäbischen Bauernhof aus der Nachkriegszeit so nahe, als habe sie die 50er Jahre, in denen ihre Geschichte beginnt, selbst erlebt. Aber natürlich ist alles, was hier geschieht, frei erfunden. Nur: Warum kommt einem dann so manches so bekannt vor? Man riecht förmlich die Landluft, die aus Altenburg schon so lange verschwunden wäre. wenn es nicht doch am Ortsrande Reiterhöfe und bewirtschaftete Felder gäbe.

Der „Eggerhof“, von dem uns Nicole Krieg erzählt, liegt auf der Alb. Und das breite Schwäbisch, das dort gesprochen wird, ähnelt doch sehr dem, das noch in den achtziger Jahren auch in Altenburg gesprochen wurde. und das man sogar heute noch bei den „Ureinwohnern“ hören kann.

Es sind lauter Geschichten aus dem Leben, in dem es schon recht deftig zugeht. Und katholisch sind sie auch noch, die Leute rund um den Eggerhof, die noch über das Geschehen im Fernsehen staunten –  wenn, 1968, Kiesinger und Strauß im Fernsehen sprachen, wenn die Studentenunruhen die Menschen auf dem Land verunsicherten oder der Vietnamkrieg mit seinen Napalmbomben. 

Und dann gab es doch auch dort, im Fernseher, die heile Welt, „Im weißen Rössle“ mit „Peder“ Alexander.

Irgendwie weiß man am Ende, dass man sich zwar gerne als Zeitgenosse an diese Zeiten erinnern möchte – als Sehnsuchtsheimat – aber dann doch froh ist, heute zu leben  in einem zu damals unverrgleichliochen Luxus. 

Hört doch Nicole Krieg ganz einfach mal zu! Am 21. Mai. Jeder ist willkommen. auch aus den Nachbarorten oder aus der Kernstadt. Der Altenburger Geschichts- und Heimatverein freut sich. Eintritt frei. R.V.

Bildertanz-Quelle:Nicole Krieg