Sonntag, 19. August 2018

Experiment: Eine kleine Filmnacht in Altenburg

Es war einen Versuch wert: In dem idyllisch gelegenen Pfarrgarten der Evangelischen Kirchengemeinde von Altenburg einmal eine Filmnacht zu starten, das war schon lange der Wunsch des Bildertanzes und der Altenburger Geschichts- und Heimatvereins. Dank der engen Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde wurde es nun Wirklichkeit. Kräftig unterstützt von dem Veranstaltungstechniker Joachim Gahlen, selbst Altenburger, der mit seinem hochwertigen Equipment für exzellente Akustik und dezente Illumination sorgte, präsentierten die Altenburger am Samstagabend einen Überraschungsfilm. Zuvor gab es Gelegenheit, sich auf der Außenbereich-"Bühne" des Pfarrsaals zu einem gemeinsamen Abendbrot zusammenzufinden und gemeinsam dem Sonnenuntergang entgegenzu sehen. Dann war die Leinwand frei für den Filmabend. Es war ein eher im privaten Bereich angesiedelter Filmabend, zu dem rund 40 Gäste kamen, Kinder ebenso wie Großeltern. Alle waren überwältigt von der abendlichen Kulisse, die ihnen die Filmbühne bot. Im Bogen der alten Zehntscheuer, die vor 50 Jahren dem ev. Kindergarten weichen musste, hatten die Veranstalter die Leinwand aufgestellt. Sehr zufrieden, aber auch ein wenig stolz auf die stille Schönheit dieses Fleckens im Dorf, gingen die Altenburger nach Hause. Jeder wusste es, jeder wünschte es sich: Das muss eine Wiederholung erfahren. Gestern ging es vor allem darum, das technische Umfeld zu testen. "Perfekt", hieß das Kompliment, das vor allem an Joachim Gahlen gerichtet war. Das Wetter spielte natürlich auch mit. Im nächsten Jahr soll die Veranstaltung dann richtig öffentlich gemacht werden. Vielleicht zeigen wir dann auch zwei 100 Jahre alte Stummfilme, in der die Großtante eines Altenburger Bürgers Hauptdarstellerin war. Digitalisiert sind sie bereits. Ach,und noch etwas: Meike Kircher, einer der Hauptdarstellerinnen in der Fernsehserie "Die Kirche bleibt im Dorf", ist hier in Altenburg aufgewachsen. Die Schauspielerin und Musicaldarstellerin lebt heute in Hamburg. Beim nächsten Besuch bei ihren Eltern ist sie gerne bereit, mit uns einen Abend zu verbringen. Wenn es im Sommer ist, dann ist die Leinwand garantiert unsere Kircher-Kirche...
Auf jeden Fall war die einhellige Meinung: Das Experiment ist gelungen. So schön kann Dorf sein...
Bildertanz-Quelle: Raimund Vollmer

 Blick auf die Leinwand - im Vorprogramm, diente dem Heilligkeitstest, holten wir sogar die Betzinger Mauritiuskirche nach Altenburg.
 Die Idylle...
... hat in Altenburg nunmal den Bogen raus...
Joachim Gahlen bei der Vorbereitung des Filmabends
Bildertanz-Quelle:

Mittwoch, 15. August 2018

Zum Beispiel Reutlingen: eine Stadtistik

Ein paar Zahlen vor den Wahlen
Ein Streifzug durch die Reutlinger Statistiken - Von Raimund Vollmer

DER SPIEGEL, 24.Juli 2003: "Stimmen die Vorhersagen des Statistischen Bundesamtes, dann hätte Deutschland - selbst bei einer optimistischen Prognose, die 200.000 Einwanderer pro Jahr vorsieht - im Jahre 2050 nur noch 75 Millionen Bürger - ein Minus von sieben Millionen Menschen. Eine düstere Schätzung der Wiesbadener geht sogar von lediglich 67 Millionen aus. Deutschland vergreist."

Als Barbara Bosch vor 15 Jahren Oberbürgermeisterin von Reutlingen wurde, war sie mit einem bundesweiten Problem konfrontiert, das damals auch Reutlingen betraf: "Schrumpfende Städte - Das große Sterben" titelte damals Der Spiegel. 
 
Tatsächlich: Lebten 2003 rund 111.600 Menschen in unserer Stadt, waren es 2011 lediglich 109.820. Das waren fast 2000 Einwohner weniger. Die Volkszählung hatte 2011 die Zahl der Einwohner korrigiert. Aber seit sieben Jahren geht es wieder aufwärts.115.818 Einwohner waren es im Juni 2018, sagen uns die Statistiker. Um netto 4000 Einwohner ist also unsere Stadt in 15 Jahren gewachsen. Rund 48.600 Wohnungen gab es 2003 in Reutlingen, 54.000 waren es 2016 (wobei seit 2011 auch Wohnheime mitgezählt werden). Die Zahl der Räume ist von 216.000 auf 235.000 gestiegen. Es entstanden also mehr Wohnungen als Zuzüge an Einwohnern, für die fast 20.000 mehr Wohnräume zur Verfügung stehen. Und dennoch ist Wohnraum knapp und teuer wie nie zuvor in unserer Stadt.

Natürlich sind das statistische Spiele. Aber trotzdem fragt man sich, wenn es im Statistischen Jahrbuch der Stadt Reutlingen (Februar 2018) heißt: Auf je 1000 Einwohner kamen 2003 exakt 443 Wohnungen, 2016 aber waren es 469.

Auch interessant: 2003 wurde der Bau von 279 neuen Wohnungen genehmigt. 2016 waren es 534 - ein dramatischer Anstieg, auch wenn er auf fast 15 Jahre verteilt ist. Schaut man sich aber die Wohnfläche an, die geschaffen wurde, dann gerät man kaum aus dem Staunen heraus: 2003 wurden 33.856 Quadratmeter "produziert", 2016 waren es 33.472. Die Größe der durchschnittlichen neugenehmigten Wohnungen halbierte sich nahezu - von 121 Quadratmern in 2003 auf 63 Quadratmeter in 2016.

Kleinere Wohnungen für mehr Menschen - ist das die Geschichte der Verdichtung in Reutlingen?

Übrigens: 2003 zählte Reutlingen den Zuzug von 4.493 Ausländern, 2016 waren es 4599 Ausländer. Der Unterschied: 2003 verließen 4785 Ausländer unsere Stadt, 2016 waren es 3805.

Und noch etwas: 2003 gab es 72.219 Fahrzeuge in Reutlingen, 2017 waren es 74.880 Autos. Die meisten privaten PKWs sind im Nordraum gemeldet - und im Süden (Gönningen). Auch interessant. Hier gibt es über 125 PKWs je 100 Einwohner!

In 2003 wurden 18,6 Millionen Menschen im Öffentlichen Personennahverkehr befördert, 2015 waren es 21,8 - also ein satter Anstieg.

2016 gab es 5412 Betriebe in Reutlingen mit 51.000 Beschäftigten (2015), 2005 waren es 4986 mit 46.000 Beschäftigten. Allerdings schrumpfte allein zwischen 2015 und 2016 die Zahl der Betriebe um 350 - und das in einer Zeit der wirtschaftlichen Gesundung. Aber die Zahl der Beschäftigten stieg. Sie lag 2013 bei 48.154.

Wenn man durch die Statistischen Jahrbücher der Stadt Reutlingen, die man sich im Netz herunterladen kann, streift, dann bekommt man keineswegs ein kohärentes Bild dieser Stadt. Vielleicht ist dies sogar der Zauber einer jeden Stadt - ihre Vielfalt - auch der Analysen.

Ob Reulingen in den nächsten 15 Jahren weiter wächst oder wieder in einen Schrumpfungsprozess zurückfällt, lässt sich aus den Zahlen nicht wirklich entnehmen. Die Aussage, dass immer mehr Menschen in die Städte ziehen, war vor 15 Jahren eher eine exotische Prognose. Und nun?

 
Bildertanz-Quelle: Raimund Vollmer