Mittwoch, 23. Dezember 2015

Gestern gegen heute: Eine Vergleichsreihe - Der Zwiefalter Hof

Erinnerungen an den Zwiefalter Hof: 1974 abgerissen

Immer wieder eine Erinnerung an den Zwiefalter Hof. Dieser Blogeintrag erschien zuletzt am 15. Dezember 2014. 
Damit wir ihn nicht vergessen. 1974 wurde der Zwiefalter Hof abgerissen. 
"Seine Ursprünge gehen wohl zurück in eine Zeit, als Reutlingen noch keine Stadt war. Urkundlich erstmals erwähnt wurde der Zwiefalter Hof erst im Jahr 1277. Das Kloster Zwiefalten hatte den Hof prächtig ausgestaltet. Das Gebäude war so feudal, dass es in einer Beschreibung hieß: "Über des Abts Behausung und Gemach braucht sich kein Graf zu schämen."
Schließlich musste der Zwiefalter Hof 1974 dem Bau eines Parkhauses weichen - trotz starker Proteste aus der Bevölkerung. Nachdem im Frühjahr die Parkhausgesellschaft Zwiefalter Hof GmbH gegründet worden war, begann man im November 1974 mit dem Abriss des Gemäuers.
Im Brand von 1726 war übrigens das Klostergebäude bis auf die Grundmauern vernichtet worden. Der Wandschmuck mit der Sonnenuhr stammt aus dem Jahr 1897 und wurde von dem Kunstsammler Fritz Hummel bemalt."
 Bildertanz-Quelle: Friedrich Dittmar, Helmut Akermann, Raimund Vollmer
Steht heute an der Stelle des alten Zwiefalter Hofes: das Parkhaus


 Bilder von 2015 (RV)

Reicheneck: Modenschau mit Erwin Bleher

 Erwin Bleher in Aktion: Flachs mit dem Publikum? Vor allem kam es ihm darauf an zu erzählen, wie vor 100 Jahren und mehr aus der Pflanze der "Grundstoff" gewonnen wurde, aus dem die Kleider sind.

 Blitzgescheiter, hellwacher Redner.
 Griff in den Kleiderschrank im Heimatmuseum von Reicheneck...
 Alles wird genau erklärt - unverblümt.
 Und immer wieder gibt es Ankedoten zu erzählen
 Das Sonntagskleid
  Das Arbeitskleid
Der Flicken
 Die Kappe für den verheirateten Herrn
 Der Zylinder für den jungen Mann
  Der Schleier für die feine Dame

Aus dem Gedächntnis geschrieben: 28 Jahre lang war Erwin Bleher Bürgermeister von Reicheneck - vor allem in der Zeit, in der Reicheneck eingemeindet wurde. Nach Reutlingen. Er hat all das hautnah miterlebt, was heute noch die Bürger bewegt. Geboren in Gruorn, dem Dorf, das dem Militär weichen musste, weiß er über diese Zeit unglaublich viel und vor allem lebhaft zu erzählen. Doch so richtig in seinem Element ist der 88jährige, wenn er über eine Zeit berichtet, die er gar nicht mehr erlebt hat: über die Zeit Herzog Ulrichs (einem "Tunichtgut"), über das Leben im 19. Jahrhundert. Und dafür haben er und die Gemeinde - inspiriert von dem Erfolg während der Landesgartenschau 1984 - sieben Jahre später, 1991, unter dem Dach des Reichenecker Rathauses ein kleines Heimatmuseum errichtet. Bei einer Geburtstagsveranstaltung am vergangenen Samstag haben wir Erwin Bleher gefilmt. Hier sind ein paar Momentaufnahmen. Die Aufnahmen werden Teil eines Films, den ich gerade für die Gemeinde Reicheneck erstelle und der im März 2016 uraufgeführt wird. Reicheneck wird 700 Jahre alt. Raimund Vollmer
Bildertanz-Quelle:Raimund Vollmer

Dienstag, 22. Dezember 2015

Hans Freytag: Vor 50 Jahren wanderte dieses Geburtstagskind in die USA aus...

... und feierte auf der Achalm im neuen Hotel heute seinen  80. Geburtstag. Familie Engelhardt aus Pfullingen, die "Herbergseltern" (Hotel Garni Engelhardt) machten ihm ein ganz besonders Geburtstagsgeschenk: den Bildertanz - einen Stadtrundgang durch unsere Fotos.
Bildertanz-Quelle:Raimund Vollmer

2011 versus 2015: Vorhang auf für die Listhalle?


Offensichtlich war ich nicht der erste, der beim Blick auf die Bühne der Stadthalle an die Listhalle dachte. Aber am vergangenen Freitag erwischte es mich geradezu schlagartig... Raimund Vollmer
Bildertanz-Quelle:Raimund Vollmer

Freitag, 18. Dezember 2015

Die Bundeshalle: Als noch niemand an "Krieg der Sterne" dachte...

... und ganz bestimmt nicht daran, dass der Tag kommen werde, an dem es die Bundeshalle nicht mehr geben würde. Wer die neueste Space Opera sehen will, muss in die Planie gehen. Karten ab 13.00 Euro. 26 Mark in alter Währung. Übrigens war es diese Woche zwanzig Jahre her, dass der Euro seinen Namen bekam. "Die Taufe war vor der Geburt", meinte damals die FAZ.

Bildertanz-Quelle:Karl Schaal

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Die geheime Botschaft hinter unserer verschwundenen Stadt...


1973: "Man braucht Autorität, wenn man die Menschen dazu zwingen muss, Dinge zu tun, die sie nicht natürlicherweise tun würden oder die ihren eigentlichen Interessen zuwiderlaufen."
Edward Bond, Dramatiker

Von Raimund Vollmer
Mucksmäuschenstill ist es bei Bildertanz-Aufführungen, wenn wir den langsam wachsenden Prototyp eines inzwischen einstündigen Films präsentieren, in dem die Kamera über das Reutlingen vor dem Ersten Weltkrieg und dem Zweiten Weltkrieg gleitet. Selbst die Reutlinger, die sich an die Zeit vor 1945 erinnern, sind immer wieder erstaunt, wie ihre Heimatstadt aussah und wie sie sich verändert hat - und doch irgendwie in ihrem Herzen vertraut blieb. Man spürt, wie es ihnen auf der Zunge liegt zu sagen, dass früher alles schöner war, sie dann aber doch zögern und eher schüchtern und rational auf die Abrisssünden unserer Stadt hinweisen. Der Film, der unter dem Arbeitstitel "Nachkrieg & Unfrieden" steht, nähert sich im Fortschritt der Arbeiten thematisch nun dem Reutlingen der 50er und 60er Jahre. Und da stöbert man in den Fotos herum, die wir vom Bildertanz in den vergangenen zehn Jahren gesammelt haben.
Einer unserer Starfotografen ist Richard Wagner, der heute - hochbetagt - in Eningen wohnt. Aus seinen Dias habe ich heute mal ein paar Fotos zusammengestellt, die jeden, der nach dem Krieg hier geboren ist und das neue Werden der Stadt erlebt hat, dieselbe spontane Behauptung im Halse stecken lässt, nämlich, dass früher alles schöner war. Unsere Kinder und Enkelkinder werden in 50 Jahren dasselbe über das Reutlingen von heute sagen. Und sie werden sich fragen, wie eine Stadt entstehen konnte, wie sie Benjamin Prell (Kommentar in der gestrigen Ausgabe) sich vorstellt und offenbar dabei die Autorität der Stadtregierung hinter sich zu sehen meint.
Aber eigentlich steckt hinter dieser Formulierung, dass früher alles schöner war, eine ganz andere, viel, viel wichtigere Botschaft. Wir verbinden mit diesen alten Bildern eine Welt, in der wir unsere Sorgen überwunden und gemeistert haben, in der wir unsere Ängste vergessen haben, in der wir das Schöne und das Gute unseres eigenen Lebens sehen. Wir blicken zurück auf unsere Möglichkeiten von damals und vergleichen dies mit den Wirklichkeiten von heute, verkörpert durch das real existierende Stadtbild, in dessen Lebensraum unsere Ängste und Sorgen noch nicht gemeistert sind. Aber das ist nur ein Aspekt. Diese alten Bildern verkörpern eine natürliche Autorität, der keine Gewalt innewohnt. Und sie stellen die Frage: Warum hat sich Reutlingen unter all den vielen Möglichkeiten, die es hatte, genau so entwickelt, wie es heute ist? Welche Autorität hat da gewirkt?
Der brachliegende Güterbahnhof soll zu einem Logistikzentrum umgestaltet werden. So berichtet heute der GEA über eine Sitzung des Gemeinderates. Mit Romantik wird das nichts zu tun haben, da ist Reutlingen reine Funktionsstadt. Vielleicht ist dies auch unsere Zukunft. Vielleicht ist das die Autorität, die uns zwingen wird, Dinge zu realisieren, die wir gar nicht natürlicherweise tun wollen - und weil wir unsere Möglichkeiten, deren Verlust wir in den alten Bildern wahrnehmen, immer noch nicht einbringen können oder wollen. Mehr als 12.000 Mal wurde unser Beitrag über das Reutlingen, das kein Ereignis ist, auf Facebook angeclickt. Eine solche Resonanz auf Wortbeiträge kennen wir normalerweise nicht. Irgendwie hat man das Gefühl, dass dahinter stummes Erstaunen und Nachdenklichkeit steht, die noch nicht ihre Worte gefunden hat. Einer Stadt kommt man nicht rein rational bei, so sehr sich dies die Verwaltung und ihre Stadtväter wünschen mögen. Eine Stadt ist Emotion - oder sie ist gar nicht.
Reutlingen sei immer noch ein Industriestandort, dem man gerecht werden müsste, heißt es in den Argumenten für den Container-Umschlagplatz, dem kältesten aller denkbaren Zukunftsprojekte. Vielleicht ist es sogar eine sehr vernünftige Idee, die da unsere European Business School entwickelt hat. Vielleicht ist sie die zehn Millionen Euro wert, aber diese Baustelle ist kein Ersatz, kein Umschlagplatz für eine Ideen-Initiative, in der die Bürger natürlicherweise sagen können, wohin sie die Entwicklung ihrer Stadt sehen. Projekte sind immer so plötzlich da, so ganz unvermittelt, überfallartig. Es ist nicht so, dass wir nicht darauf vorbereitet werden. Andeutungen gibt's, auch Diskussionen. Aber dann ist Schweigen. Doch dann kommen sie, von oben, autoritär.
Uns, den Bürgern, bleiben da nur die Bilder aus einer Vergangenheit, in der einmal in unserer Erinnerung alles möglich war.
Und deshalb ist es wohl auch immer mucksmäuschenstill beim Bildertanz.







 

Bildertanz-Quelle:Richard Wagner

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Reutlingen - die Stadt, die gestern ein Ereignis war (bei uns auf Facebook zumindest)

Wortbeiträge sind in den sozialen Netzwerken nie der große Renner. Soviel Geduld haben wir normalerweise nicht mit unseren Gedanken und denen anderer. Aber gestern war das mal anders. Nachdem wir auf Facebook auf unseren Bildertanz-Blog-Beitrag hingewiesen hatten, gab es eine sehr lebhafte Diskussion um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unserer Stadt.
Eine Projektion der zukünftigen Stadt Reutlingen entwarf dabei Benjamin Prell. Diese wollen wir den Lesern unseres Blogs nicht vorenthalten. Das Bild, das wir seinem Beitrag entnommen haben, zeigt das neue Gebäude, das zwischen Media-Markt und Bahngleisen entstehen soll.

Benjamin Brell schreibt:

"Ich habe seit jeher das Gefühl, dass die gegenwärtig agierenden "Stadtväter" keinen Kurs hätten. Es ist schon richtig, jede Stadt muss versuchen, seine Nische zu entdecken, sich zu suchen, und sie zu nutzen. Tübingen hat seine Intellektuellen, seine Uni und die Wissenschaft, Metzingen - um mal ein Städtchen in den Kreis zu nehmen, das nicht im Ernst mit Reutlingen zu konkurrieren haben sollte, weil 80.000 Einwohner dazwischen liegen, jedoch dem Outletwahnsinn in einem erschreckenden Tempo verfallen ist, dass einem der Mund nicht mehr zugeht -, hat eben dieses Outlet. Ulm hat die Bundeswehr, den unfassbaren Bekanntheitsgrad, zum Großteil durch Albert Einstein und den Basketball. Pforzheim, hat sein Gold und den Schmuck und sonst gar nicht. Insofern hat Pforzheim ein ganz ähnlich gelagertes Problem wie Reutlingen, obendrein auch noch von ungefähr gleicher Größe wie Reutlingen. Was hat Reutlingen? So ja die Frage. Ich habe der Stadt vor etwa 5 Jahren einen Vorschlag unterbreitet, wie sie mit dem Rathaus als Gebäude verfahren sollte. Im Rahmen dieses Vorschlags kam auch ein Bürogebäude vor, dass die Modernität betonen sollte und eine Landmark sein sollte. Ich dachte da so an mindestens 10-15 Stockwerken. Ich habe nie wieder etwas von der Stadt gehört. So Leute, und nun fängt die Stadt tatsächlich an, sich eine Richtung auszusuchen, ja besser, ausgesucht zu haben, denn die Baubürgermeisterin Hotz hat etwas gesagt, dass mir ganz heiß wurde und womit ich schon gar nicht mehr gerechnet hatte, nämlich, dass die Stadt eine Richtungsänderung vorgenommen habe, und zwar wolle man von nun an in die HÖHE bauen. Ich war immer der Meinung, dass Reutlingen, da die Altstadt von nicht nennenwerter Natur ist, eher in Richtung moderne Großstadt gehen solle, denn Altstadt, Giebel und Fachwerk sollten wir wirklich den Tübingern überlassen, das können sie ungleich besser. Den Metzingern lassen wir zwar den Outlet, jedoch müssen wir hier den Kampf leider aufnehmen, was das Angebot betrifft. Aber der Kern meiner Aussage soll sein, ich will für Reutlingen die identitätsstiftende Nische der modernen Großstadt mit Hochhäusern und einer belebten City, denn DAS muss der Weg sein. Reutlingen hat den Weg offiziell eingeschlagen und hat damit einen meiner größten Träume angedacht zu realisieren. Die Außenwirkung Reutlingens, WENN die geplanten Türme nun bald stehen (innerhalb von 5 Jahren) dürfte gewaltig sein, und den BLick auf Reutlingen NACHHALTIG verändern. Also nochmal, wie ich es mir vorstelle (Und das ist keine Träumerei oder Utopie, die Pläne sind geschlossen, der Baubeginn ist bekannt, es ist Realität!), also, ich stelle mir also vor: Stuttgart ist Landeshauptstadt und Mittelpunkt des Landes in kultureller Hinsicht, Tübingen ist Fachwerk und Kultur, Metzingen ist Outletwahn, aber Reutlingen wird mit seiner neuen Skyline in 5-10 Jahren einen Betrachtungswechsel nötig machen, denn was Reutlingen vorhat, gibt es selbst in Stuttgart nicht überall, nämlich seine City mit stadtbildprägenden Towern ausstatten. Ich sage also, mehr Positivismus, Reutlingen sucht sich seine Zukunft als das kleine Frankfurt Schwabens, und dann kucken wir mal, was die Menschen im Umland sagen, wenn sie beim Einkaufen bei der Fahrt in die City Reutlingens eine Skyline vorfinden. Um hier Pläne Reutlingens etwas zu verdeutlichen, lege ich hier ein paar Bilder rein von Projekten in Reutlingen, die beschlossen sind. Und das wird noch nicht alles sein, was hier noch gebaut werden wird. Wie gesagt, Hotz hat den Kurswechsel in der Zeitung verdeutlicht! Und da ich ja nur ein Foto pro Kommentar setzen kann, muss ich wohl oder übel noch zwei Kommentare mit Geisterfotos setzen. Ihr werdet es überleben. :-) Also hier kommende Projekte in RT:"

Bildertanz-Quelle:Facebook/Beitrag Benjamin Brell

Dienstag, 15. Dezember 2015

Reutlingen - die Stadt, die kein Ereignis ist...



Von Raimund Vollmer
(Kommentar) Wie soll man etwas kritisieren, ohne es zu kritisieren? Wie wasche ich mich, ohne nass zu werden? Wie macht man Stadtmarketing ohne Stadtmarketing? Wie verkaufe ich, ohne einzukaufen? Wie konkurriert eine Einkaufszone gegen Amazon? Solche Fragen gehen einem durch den Kopf nach der Lektüre des Reutlinger General-Anzeigers, der unter der Überschrift "Weg vom Event-Management" in einem Gespräch mit dem Einzelhändler Fritz Haux die Wirkung des Stadtmarketings reflektiert.
Metzingen ist auch nur Outletzingen
Reutlingen ist eine rationale Stadt, die erst gar nicht versucht, Widersprüche aufzulösen. Reutlingen ist eine banale Stadt, die erst gar nicht versucht, aufregend zu sein. Reutlingen ist eine verkümmerte Stadt, die erst gar nicht versucht, stolz zu sein. Man ist ja auch so zufrieden mit dem, was man hat. Wer mehr will, der muss nach München gehen, nach Hamburg oder Berlin, nach Düsseldorf oder Köln - und zur Not tut es Stuttgart auch. Romantik gibt's in Tübingen oder Heidelberg, Schnäppchenjagd in Metzingen, und Reutlingen gibt den Rest.
Noch nicht einmal zum Industriecharme des Ruhrgebiets reicht es. Wenn es die Achalm und den Albtrauf nicht hätte, zwei Gottesgeschenke, würde Reutlingen gar nicht auffallen. Es ist eine Stadt, die nichts hat - und Kultur schon gar nicht, jedenfalls nicht in dem Maße, dass man damit keck kokettieren könnte. 
Berlin - immer noch eine Reise wert?
Alles harte Worte, aber die sind nicht so gemeint. Denn das würde Reutlingen nicht vertragen. Reutlingen ist sich selbst genug. Dass es das andere nicht will und auch nicht kann, das wissen wir nicht erst seit dem Bau der Stadthalle. Außerdem ist der prozentuale Anteil der Scheußlichkeiten an der Gesamtfläche unserer Stadt auch nicht größer oder kleiner als in anderen Städten. Reutlingen ist so sehr Durchschnitt, dass es mit einem gesicherten Einzugsgebiet von 40 oder 50 Kilometern eine echtes, kleines Zentrum sein könnte. Leider ist Reutlingen eine  Mini-Metropole ohne irgendwelche Monopole, eingebettet in ein hochkompetitives Umfeld aus Outlet und Internet. So sind es vor allem Stammkunden, die Samstag für Samstag ihre Runden durch die Stadt machen, verweilen hier, verweilen dort, aber sie nehmen die Stadt als Stadt gar nicht wahr. Einen still demonstrierten Stolz auf ihre Heimatstadt kennen die Reutlinger nicht. Da brennt nichts im Innern. Reutlingen ist eine Gebrauchsstadt.
Touristen gibt es nicht wirklich. Menschen, die hierher kommen, sind bestimmt von geschäftlichen Anlässen. Ein Programm, wie es die Stadthalle bietet, gibt es anderswo auch.
Alleinstellungsmerkmale - um einen Begriff aus dem Marketing zu benutzen - hat Reutlingen grundsätzlich nicht. Da hilft auch der Mutscheltag nicht drüber hinweg. 
Stuttgart ist auch nicht immer schön
Und der Abstieg, vor dem heute Fritz Haux im GEA indirekt und sehr verklausuliert warnt, vollzieht sich in Reutlingen in unglaublich angenehmer Atmosphäre. Bei "Feuer und Eis", in Kulturnächten und Stadtfesten, in diesem und jenem Event, im Weindorf und auf dem Weihnachtsmarkt, mit all dem, was schnell und konventionell ist. Wirklich originell ist nichts. Selbst die engste Straße der Welt ist letzten Endes nur Schall und Rauch, solche Ritzen gibt es anderswo auch. 
Kennzeichen RT: Eine Stadt und ihr Durcheinander
Alles bitter, alles böse? Wer in Reutlingen etwas ändern will, der braucht unendlich viel Kraft. Und die kann ein Stadtmarketing allein nicht aufbringen, geschweige denn ein Individuum - insofern ist es müßig, das Stadtmarketing oder die Stadträte zu kritisieren. Niemand besitzt die natürliche Autorität, um die Stadt über sich selbst hinaus zu heben. Die Einzelhändler, ob einzeln oder als Kollektiv, sind so im Kleinklein ihres Daseinskampfs verstrickt, dass sie das Große und Ganze nicht sehen. Die Bürger verstehen sich als Einwohner, mehr nicht. Tübingen hat seine bewusst lebenden Spießer, die alternativlos alternativ sind und auch so wählen. Das ist wenigstens etwas. Reutlingen hat gar nichts. Es ist weder rot noch grün, weder schwarz noch gelb. Reutlingen ist farblos.
Reutlingen ist noch nicht einmal Reutlingen.
Wenn doch endlich mal einer genau das nutzen würde...
Bildertanz-Quelle:Raimund Vollmer