Dienstag, 25. Juni 2019

Wacks Welt: Betzingen 2005

Ausflug in das Betzingen des Jahres 2005 - Tanja Wack hat damals die Fotos für den Bildertanz gemacht.












 

































































Bildertanz-Quelle:Tanja Wack

Samstag, 22. Juni 2019

Der Rat der Ratlosen


Schwarz und Grün - die neuen Stadtfarben?



Eine unzeitgemäße Nachbetrachtung von Raimund Vollmer




Die Stadt ist die älteste aller künstlichen Welten, die der Mensch geschaffen hat. In Reutlingen wurde bei der Kommunalwahl hier in der Kernstadt vor allem "Grün" gewählt, also die Partei, die der Natur am nächsten kommen will. In den Außenbezirken, dem Grüngürtel unserer Stadt, wählten die Bürger vor allem "Schwarz", also die Partei, die ihren Aufstieg vor allem der wirtschaftlichen Entwicklung zu verdanken hat. Zusammen haben beide Parteien jeweils neun Sitze, wobei ein Mann, der von Schwarz nach Grün wechselte, nicht nur Stimmenkönig wurde, sondern dafür sorgte, dass seine neue Fraktion gleich zog.

Von den 40 Sitzen, die unser Stadtparlament bilden, haben diese beiden Parteien, die auf Landesebene sogar als Koalition die gemeinsame Regierung stellen, nur 18 Plätze. Der Rest teilt sich auf in den Rest, möchte man sagen, wenn es da nicht noch zwei mächtige Blöcke gäbe: Die SPD mit sechs und die Freien Wähler mit fünf Sitzen. Das Problem ist nur: alle Parteien, die bislang hier erwähnt wurden, haben gegenüber 2014 Plätze im Parlament verloren - nur die Grünen nicht. Sie haben sich seit 1984 systematisch nach "oben" gearbeitet. Die CDU hatte damals sogar 17 Sitze, die SPD zwölf. Jede der beiden Traditionsparteien war 1984 deutlich stärker, als die Grünen es heute sind. 

Eigentlich braucht man keinen Rezo, um zu erkennen, dass in den Parteien, die einmal die politischen Farben einer Stadt klar bestimmten, irgendetwas nicht rundläuft. Stark zu sein, nur weil andere noch mehr schwächeln, ist kein sehr stolzes Argument für eine Partei, die doch jahrzehntelang die große konstante Dominante in Stadt und Land war. Beide, CDU und SPD, haben praktisch die Zahl ihrer Mandate halbiert. Irgendwie sehr stabil, auch wenn es da ein paar Auf und Abs gab, wirken die kleinen Parteien mit ihren jeweils zwei bis drei Mandaten. Sie sind das Salz in der Suppe - ohne sie zu versalzen zu können. Das wird auch inklusive des Neulings AfD nicht so sein.

Was also ergibt sich daraus für unsere Stadt? Alle Augen richten sich da auf den neuen Oberbürgermeister, der sich - im Unterschied zu seinen Konkurrenten - gegen den Willen seiner Parteispitze selbst ins Rennen bringen musste. Gewählt wurde er vor allem in den städtischsten Regionen Reutlingens. In der Kernstadt und in Betzingen, das ja selbst - wäre es selbständig - als einziger Teilort eine eigene Kleinstadt darstellt, größer als Eningen unter Achalm.

Was wir also daraus ableiten könnten, ist, dass das Städtische im Vormarsch ist, dass dieser Vormarsch jedoch sehr stark bestimmt wird von einer Sehnsucht nach einer gesunden Umwelt. Bis dahin ein No-Brainer, dazu braucht man nicht viel analytischen Verstand. Wahrscheinlich würde man bei weitaus intensiverem Nachdenken über die Situation nicht viel weiter kommen. Am Ende wäre die Ratlosigkeit nicht geringer. Denn die, die andere Interessen in den Vordergrund stellen, bilden ja nicht minder starke Fraktionen innerhalb der wählenden Bevölkerung - ganz zu schweigen, über die, die sowieso schweigen und erst gar nicht zur Wahl gingen. Weder Grün noch Schwarz haben jeweils ein Viertel der Stimmen hinter sich. 

Kurzum: es herrscht ein ziemliches Durcheinander, über das unser OB nun den Vorsitz in den Ratssitzungen hat. Aber war das zuvor nicht auch so? 2004 war es das letzte Mal, dass CDU und SPD, die beiden Mutterparteien dieser 70 Jahre alten Bundesrepublik, in Reutlingen zusammen die Mehrheit bildeten. 2009 war es noch Fifty-Fifty im Vergleich zu den anderen, seit 2014 gehören sie wie alle anderen auch zu den Minderheiten. Keine Partei kann mit einer anderen Partei zusammen eine Mehrheit stellen.

Was soll's? Wir haben ja eine Präsidialdemokratie in unserer Stadt - über allem steht der direkt gewählte Oberbürgermeister. Er musste nicht in diese Stadt gewählt werden, um in ihr zu leben. Irgendwie war er schon immer da, zwar in Betzingen als Ortsvorsteher, aber auch als Ratsherr in Reutlingen. Er wirkt wie einer von uns, ohne dass wir deswegen immer seiner Meinung sein müssen und sein werden. Er hat Courage, sonst hätte er nicht seinen Hut in den Ring geworfen. Tapferkeit vor dem Freund ist immer noch die edelste Form der Courage. Er lässt sich auch nicht einfach vereinnahmen, selbst nicht von seiner eigenen Partei.

"Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit", heißt es im Artikel 21 unseres Grundgesetzes. In keiner anderen demokratischen Verfassung der Welt steht etwas Vergleichbares. Wir wissen, dass Parteien am liebsten die Willensbildung des Volkes selbst wären. So treten sie auf. So entscheiden sie über die Menschen, die gewählt werden dürfen. Sie bestimmen die Kandidaten für die Volksvertretungen, sie bestimmen die Listenplätze. Sie bekommen Sendezeiten in den Medien. Sie müssen nach innen das, was sie wollen, von den Mitgliedern absegnen lassen. Sie müssen selbst demokratisch sein. Nach innen und nach außen. 


Acht Parteien oder Vereinigungen sind nun im Parlament der Stadt Reutlingen vertreten. So viele wie nie zuvor. 1984 waren es sechs, zuletzt sieben - und vielleicht sind es 2024 dann schon neun oder zehn. Wer weiß? Fast möchte man sagen: Mit sinkender Wahlbeteiligung steigt die Zahl der Parteien, die im Stadtrat vertreten sind. Stimmt nicht: Vor fünf Jahren lag die Wahlbeteiligung bei deprimierenden 39 Prozent. 2009 gingen 42 Prozent zur Wahl. So viele waren es auch 2004. Wie es 1999 aussah, will uns Google nicht so einfach mitteilen - 20 Jahre zurück sind ja auch eine lange Zeit.

Es scheint eher umgekehrt zu sein: Je mehr wählen gehen, desto stärker die Spannweite der Parteien. Diese wollen aber immer noch alles für alle sein - bis sie selbst alle sind, wie wir an dem Schwund der Großparteien sehen. Special Interests ist aber auch nichts. Denn die Grünen wurde nicht nur wegen der Umweltthematik gewählt. Dumpfdumm hat auch keine allzu großen Chancen.

Wir, die Wähler, sind ziemlich zickig. Wir sagen in den Sozialen Medien unsere Meinung, überlassen dies nicht mehr den Halbgöttern in Druckerschwärze, den Print-Medien. Wir lassen uns aber auch nicht in die Karten gucken, in die Stimmkarten, obwohl wir kein sehr großes Problem damit haben zu sagen, was wir gewählt haben. Wir sind ein bisschen beliebig.

Und für ein solches Volk, das die Parteien nicht mehr gerne an unserer Willensbildung beteiligen lässt, soll nun unser Stadtparlament entscheiden? Ein Parlament, das in der Vergangenheit auch schon mal ganz schön danebengelangt hat. Kein Wunder, dass da so mancher Stadtrat mitunter ziemlich ratlos ist. Zum Glück gibt es ja noch den Fraktionszwang, der darin besteht, dass ihn keiner ausübt, sondern nur sehr, sehr nahelegt, wenn man irgendwann mal selbst die Mehrheit seiner Leute haben möchte.

Jetzt stellen Sie sich vor, Sie seien der Chef von solch einem Gremium? Herrlich: Divide et impera! Teile und herrsche! Pustekuchen. Denn dieses Konzept geht nur auf, wenn Du als Oberbürgermeister ein eigenes Konzept hast, einen Fahrplan der konkreten Ziele für die nächsten acht Jahre - und am besten sogar darüber hinaus. Und wenn Du ganz, ganz schlau bist, dann, ja dann...

Die große Kunst besteht darin, genau das nicht zu verraten. Immerhin leben wir ja in der künstlichsten aller Welten, in einer Stadt.
 
Bildertanz-Fotos:Dimitri Drofitsch/Raimund Vollmer (1)

Montag, 27. Mai 2019

Kommunalwahl: Wurde sie diesmal in der Innenstadt entschieden?

Von Raimund Vollmer 

Dies vorweg: Wahlbeteiligung lag bei 48,9 %
HIER DER LINK ZU DEN WAHLERGEBNISSEN

Außerhalb der Innenstadt ist die CDU mehrheitlich vorn. Insgesamt aber machten die Grünen das Rennen, die mit dem früheren CDU-Stadtrat Karsten Amann auch gleich noch den Stimmenkönig stellten und sich gegenüber 2014 um zwei Sitze verbesserten. Auf jeden Fall sind sie nun mit der CDU die größte Fraktion im neuen Stadtparlament, haben neun Sitze, ebenso viele wie die CDU, die im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren zwei Mandatsträger weniger ins Rathaus schicken wird. Oberbürgermeister Thomas Keck (SPD) muss sich mit sechs SPD-Getreuen zufriedengeben, acht waren es 2014 gewesen. Die Freien Wähler haben auch Federn lassen müssen. Sie ziehen mit einem Mann (besser: mit einer Frau, denn Jenny Winter-Stohanovic wäre es gewesen) weniger ins Stadtparlament. "Mann" würde stimmen, wenn der Kandidat Nummer 1, Hans-Hubert Krämer, hineingewählt worden wäre. Aber wie schon vor fünf Jahren wollte es auch diesmal nicht sein. Bei WiR bleibt es so,wie es ist. Bei der FDP auch, wobei der Altvordere Hagen Kluck nun mit zwei Damen in den Ratsaal einziehen wird. Die Linke bleibt in ihrer Zweisamkeit, Neu dabei sind mit drei Plätzen die AfD. Das Bündnis Vielfalt RT geht leer aus. Mal sehen ob es am Ende des Tages so bleibt...
Auf jeden Fall ist die Lage in Reutlingen so: je näher der Stadt, desto grüner, je näher am Rand (wo's ohnehin am grünsten ist), desto schwärzer. Eine interessante Konstellation, die sich ja schon bei der OB-Wahl andeutete. Die Grünen haben noch im Grünen Potential... 
Der Bildertanz gratuliert allen gewählten Mitgliedern des neuen Stadtparlamentes und verbeugt sich vor allen, die sich der Wahl gestellt haben. 

Marienkirche 1941: Gruß aus Reutlingen

Bildertanz-Quelle: Sammlung Familie Lamparter

Mittwoch, 22. Mai 2019

Gab es eigentlich eine Halle vor der Listhalle und der Halle für alle?

Natürlich - und das war in der Kaiserstraße bis 1938 die Bundeshalle, die es nur noch im Internet gibt: "0 Saal" und "keine Veranstaltung gemeldet". Dereinst, in den Goldenen zwanziger Jahren, war die Bundeshalle die Halle für alle gewesen. Hier trafen sich Naturfreunde, hier wurde Kunst ausgestellt. Sie war so etwas wie Stadthalle, Kunst- und Lusttempel zugleich. Sie war aber in unserer Erinnerung vor allem Kino. Bereits 1945 hatte Oskar Kalbfell das Lichtspieltheater wiedereröffnet, der Grafiker Karl Langenbacher gab hier nach dem Krieg, 1945, mit einer Ausstellung den Startschuss für eine neue Kunstszene. 1970 brannte die Halle ab, wurde wiederaufgebaut und 2007 war dann endgültig Schluss. 

Legendär war hier wohl der Auftritt von Fritz Wandel, ein Kommunist, der 1931 Stadtrat wurde und ab 1933 zum Widerstand gegen die Nazis aufrief. So war er der Hauptredner in Mössingen, der einzigen Kleinstadt, die nach der Machtergreifung zum Generalstreik aufrief. Er überlebte Dachau und berichtete im November 1945 über seinen "Weg durch die Hölle". Daraus wurde ein Buch, das 1946 erschien. Er fehle in der Liste der Ehrenbürger Reutlingens, hört man aus der Wikipedia heraus.
1905 hatte in der Bundeshalle der Direktor des Technikum, Otto Johannsen, zum Todestag von Friedrich Schiller eine Festrede gehalten





Bildertanz-Quelle: Raimund Vollmer, Immanuel Lude, Bert Wagner

Dienstag, 21. Mai 2019

Nachkrieg: Als die Pfullinger den Eningern die Straßenbahn stahlen...

Bildertanz-Quelle: Sammlung Rolf Hespeler


Es war in der unmittelbaren Nachkriegszeit, als sich an einem Samstagabend ein paar Pfullinger Halbstarke nach Eningen vorgewagt hatten. Keiner weiß mehr genau, woher sie den Mut genommen hatten, vielleicht standen die Eningerinnen im Ruf besonders hübsch zu sein, vielleicht wollte man sich auch nur mit den Eninger Jugendlichen eine deftige Schlägerei gönnen, auf jeden Fall war es spät nachts geworden, als die Burschen endlich wieder nach hause gehen wollten. Aber der Weg nach Pfullingen war weit, die Nacht war kalt und auch sonst waren die Burschen zu faul zum Laufen. Aber alle öffentlichen Verkehrsmittel schlummerten. So beschlossen die Pfullinger Draufgänger, eine Straßenbahn aus dem Depot in Eningen zu klauen. Und bald darauf rasselte die Grüne durch Eningen Richtung Südbahnhof. Wie man Straßenbahn fährt, dass hatten die Jungen den Fahrern auf dem Weg zur Schule oder zur Lehrstelle oft genug abgeschaut, aber wie man Weichen stellt, das wussten sie nicht. So scheiterten sie bei dem Versuch, am Südbahnhof an der Arbachweiche die Kurve nach Pfullingen zu nehmen. Sie ließen die Straßenbahn einfach stehen und gingen den Rest zu Fuß. War ja nicht mehr so weit...

Charley hat diese Story vor zehn Jahren in einer Gastwirtschaft erfahren, wo genau, wird nicht verraten. Aber es war weder in Eningen noch in Pfullingen. Denn jeder Hinweis könnte die Polizei auf eine Spur bringen. Wer die Burschen waren, ist bis heute nicht bekannt. Wahrscheinlich ist der Diebstahl noch nicht einmal gemeldet worden. Das wäre kein Wunder. Denn den Eningern wäre das alles andere als angenehm, wenn diese Geschichte je publik werden würde. Deswegen gilt: Weitersagen verboten! Aber die Geschichte ist wahr, sagen jedenfalls die, die dabeigewesen waren. Und die müssen es ja wissen.
Raimund Vollmer

Montag, 20. Mai 2019

Geschichte aus der Herman-Kurz-Schule


Bildertanz-Quelle: Willi Raiser (Rommelsbach)

Dazu erreichte uns folgender Kommentar, den wir hier - vergrößert - veröffentlichen. Es ist ein Zeitdokument:
Betrifft Hermann-Kurz-Schule
vom erstem vierten 1930 bis 30.3.1934 war dies meine Grundschule.
Als ich dort eintrat rauchte auf dem Nebengrundstück links der Schule noch die Auffüllung (Mülldeponie), die ursprünglich das ganze Gebiet der heutigen Christuskirche umfasste. Als diese gebaut wurde (1936) musste die Gründung bis zu 8m tief durch die ehemalige Deponie gemacht werden. Beim Aushub kamen all die Habseligkeiten und Abfälle, die seinerzeit hier versenkt wurden, wieder ans Tageslicht. Hinter der Schule erstreckten sich bis zur Benzstraße die Schulgärten, die von den damaligen Lehrer Herrn Habelian, einem Zuwanderer aus Armenien, betreut wurden. Der große Platz vor der Schule, genannt Hermann-Kurz-Platz, hier noch mit kleinen Lindenbäumen bepflanzt, waren zu meiner Zeit schon groß. Mitten auf dem Platz war ein großer Sandkasten, von den kleineren Kindern viel benutzt, wir Größeren spielten verbotenerweise Fußball. Rings um befanden sich unter den Bäumen schöne Bänke, die von den Müttern gern genutzt wurden, um ihre Kinder zu beaufsichtigen. Ab und zu kamen Lumpensammler, die die spielenden Kinder mit allerlei billigen Spielsachen anlockten und sie zu ihren Eltern schickten, um von dort Lumpen und vor allem Wollstoffe zu holen, die an Papierfabriken geliefert wurden. Gelegentlich fanden sich auch fahrende Kesselflicker mit ihren Pferden bespannten Wohnwägen ein und entfachten ein großes Feuer, mit dem sie Kessel und Pfannen mithilfe von Säure und Zinn neu verzinnten, dieses hörte nach 1934 vollständig auf.

Sonntag, 19. Mai 2019

Wieder mal ein Blick auf Klein-Venedig...


... das heute eine Luxuswohngegend wäre, wenn es dieses Gerberviertel an der Echaz noch gäbe.
Bildertanz-Quelle: Sammlung Willy Raiser

Freitag, 17. Mai 2019

1967: Max und Fritz - die beiden Hasenauer-Pferde

... wurden vor 52 Jahren zum letzten Mal angespannt,um Speditionsdienste zu leisten. Josef Deutschle war der Fuhrmann. Ihm fiel der Abschied besonders schwer. Natürlich bekamen die beiden Pferde ihr Gnadenbrot.


Bildertanz-Quelle:Ursula Deuschle