Zur Erinnerung des Gebäudes Alteburgstraße 9, das ab dem 16. Dezember 2013!! abgerissen wird, eine kleine Reutlinger Baugeschichte:
Um das Jahr 1900, wurde an der Alteburgstraße ein hübsches spätgründerzeitliches Gebäude gebaut. Bürgerlich, mit Erker, Turm und einer äußerst eleganten Innenausstattung, steht es erhaben am Hang, der damals weitgehend unbebaut war.
Bild links: Abriss-Kandidat, November 2013. Rechts das denkmalgeschützte Pomologiegebäude.
Das Gebäude verbindet zudem zwei Straßenfluchten auf gekonnte Art und Weise, indem es leicht vom 90 Grad Winkel im Grundriss abgewinkelt wurde. Vermutlich plante man damals noch viel weitere solcher "herrschaftlichen Gebäude", und die Bebauung hätte an der linken Seite, in Richtung Tübinger Tor, erweitert werden sollen. Aber es dauerte lange, bis in die 1930er 1940er Jahre hinein, bis das Gebäude einen Nachbar bekam, wie das GWG-Hauptgebäude. (Nicht im Bild).
Mit seinem Erker und Türmchen bildet es optisch und bauzeitlich eine Einheit mit dem benachbarten denkmalgeschützten Pomologie-Gebäude. Diese Einheit wird von vielen Fußgängern als schön wahrgenommen. Ein Kontrast zu der Betonarchitektur der 1970er Jahre am Nordsternhaus.
Leider muss das Gebäude jedoch 2014 dem Neubau von Büroflächen weichen: Der Entwurf für die untere Alteburgstraße sieht so aus.
Das hat die Stadt Reutlingen im Jahr 2008 so beschlossen. Das Gründerzeit-Gebäude war eines der letzten historistischen in der Süd- und Weststadt, das überhaupt noch Türme und Erker besitzt. Die "Türmchen-Bestände" scheinen stark abzunehmen.
Bild oben: Wohnkultur um 1900 im 1. Obergeschoss. An der "Erkerseite" zur Alteburgstraße hin. Holvertäfelungen unter den Fenstern, profilierte Holzzargen an den Fenstern, Stuck. Verunstaltende Heizkörper und Tapeten aus den 1990ern.
Bilder oben: Obergeschoss 1, das "Luxus-Wohngeschoss. 3 Meter lichte Deckenhöhe. Gründerzeit- Türen. Im Bild rechts unter den Fenstern Holzverkleidungen, die eigentlich dem Wärmeschutz gedient haben. Sie waren auch dekorative Zierde an hochwertigen Räumen und heißen auch "Lambrien".
Bilder oben: Rechts: Kastenschloss um 1900 aus Messing und echtem Horn.
Bild oben links: Obergeschoss 1, Treppenhaus
Bild oben rechts: Wandverkleidung mit Handlauf ins Souterrain, Art Deco.
Und hier der Blick ins Dach, nach oben geschaut: Die Konstruktion des "Türmchens".
Im "Top-Zustand" -übrigens.
Es gab außer dem GWG-Neubau am Pfenning-Areal keinen Grund, das Gebäude wegen mangelhafter Standfestigkeit abzureißen, die älteren Gebäuden gerne unterstellt wird, damit der Abbruch schneller gerechtfertigt werden kann.
Das Gebäude befand sich selbst im November 2013 - kurz vor dem Abriss - in einem guten optischen und baukonstruktiven Zustand und hat sogar den Hagelsturm vom Juli 2013 mängelfrei überstanden.
Einzig eine Glasscheibe im Türmchen brach. Wir möchten unseren Bürgervertretern stark ans Herz legen, solche Stadtbildprägenden Gebäude beim nächsten Mal zu erhalten.
Bildertanz-Quelle: (c) Foto M. Kurz

















