Freitag, 9. September 2016

Karlstraße: Ein 50-Jahres-Vergleich

 Aus dem Rechenschaftsbericht von Oberbürgermeister Oskar Kalbfell, 1965. Das Bild dürfte aber älter sein.
 Dieses Foto entstammt einer Videoaufnahme aus dem Jahr 2010. Autor: Raimund Vollmer

Mittwoch, 7. September 2016

Bildertanz-Freunde bei den Freunden der Zahnradbahn

Das Dampfross...
 ... muss warten vor dem Starten

 Sie können es kaum erwarten

 Durch diese hohle Gasse muss die Masse
 Freunde

 Richtunsgwechsel
 Werner Früh und Peter Funkbeiner träumen von Zeiten, in denen noch alles unter Dampf stand
 Michael Staiger - der Mann, der mit seinen Freunde die Lok wieder unter Dampf setzte
Wartet hinter Gittern auf bessere Tage
Bildertanz-Quelle:Wolf-Rüdiger Gassmann

BZN: Wenn das HAP Grieshaber wüsste...

Dies ist nur ein Muster, aber alle Schüler des BZN müssten ja eigentlich mit dem Beginn des neuen Schuljahres solch eine Aufenthaltserlaubnis bei der Schulleitung einholen. (Sie wird sicherlich nicht mit einem Zitat von Grieshaber geschmückt. "Der dreht sich im Grabe um, wenn er das erfährt", so der Kommentar einer Mutter.)
Seit zwei Tagen sind diese Schilder an fast allen Ecken und Enden auf dem campusähnlichen Komplex des Bildungszentrums Nord zu sehen. Nur der Haupteingang scheint irgendwie noch freien Zutritt zu erlauben, aber da sind der Stadt bestimmt die Schilder ausgegangen. Das BZN wurde in den sienziger Jahren errichtet, 1978 eingeweiht und bestimmt mit dem Ziel so konzipiert, Offenheit in alle Richtungen zu demonstrieren. In diesem Geiste wurden auch die Schüler dort unterrichtet. Ausgerechnet in dem Jahr, von dem an sich das Gymnasium nach dem Freigeist HAP Grieshaber benennt, ist nun der Kleingeist in dieses Gelände eingezogen. Die vielen Spaziergänger sind ziemlich verärgert und verstehen die Welt nicht mehr. Denn gerade sie waren es, die mit ihrer Präsenz vor allem außerhalb der Schulzeiten für die Sicherheit auf diesem Freigelände gesorgt hatten. Wenn man mit diesem Verbot mögliche Bösewichte fernhalten will, dann hat man damit genau dafür gesorgt, dass die sich nun hier ungestört bewegen können. Oder werden hier nun Sicherheitskräfte eingesetzt?

Betreten verboten - ob mit oder ohne Alkohol, ob mit oder ohne Hund, ob mit oder ohne Zigarette, ob mit oder ohne Fahrrad. Wer keine Erlaubnis durch die Schulleitung hat, darf nicht hierher.
 Verbotenes Foto: das Schulgelände (1)
Verbotenes Foto: das Schulgelände (2)
Bildertanz-Quelle:

Freitag, 2. September 2016

Die Macht und die Herrlichkeit in Reutlingen




Ganz beschaulich - weil im Stil der guten alten Zeit...

"Warum eigentlich sind unsere alten Städte in Europa schöner als alles, was Planer und Architekten je in den vergangenen Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg an Neuem entwickelt haben?" So fragte am Donnerstag suggestiv in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler. Wir in Reutlingen und ganz besonders auf unseren Bildertanz-Seiten (Blog & Facebook) fragen uns das schon sehr lange und immer wieder mit Bezug auf aktuelle Entscheidungen. Wir ahnen auch, woran es liegt. Nicht an uns, den Menschen, sondern an den Architekten, die zu lange auf die kalten und glatten Ansprüche einer strengen Schule fixiert waren, deren Regeln sie zu entsprechen versuchten - auch mit Blick auf das Ansehen innerhalb der eigenen Vergleichsreihen. Kollegen bauten für Kollegen, nicht für uns, die in diesen und zwischen diesen Gebäuden leben müssen. 
Ist unsere Stadt noch unsere Stadt?
Gerade jetzt wurde wieder der Bau von Gebäuden genehmigt, deren Art der Frankfurter Stararchitekt in seinem Beitrag verurteilt. Das sogenannte "Stuttgarter Tor", ein Euphemismus par excellence, wird uns - um mit Mäckler zu sprechen - "angesichts der abstoßenden Kälte und Langeweile" frösteln lassen. Ähnlich wird es uns mit dem GWG-Komplex gehen oder dem Bau des Hotels an der Stadthalle. Mäckler ist ein kluger Mensch, er weiß, dass wir, die wir die alten Städte schöner finden, von den Leuten, die diese Öde planen und entscheiden, gerne als "Ewiggestrige" abgekanzelt werden. Aber anscheinend scheint sich - bis auf das institutionelle Reutlingen, das schon immer gerne dem Trend von gestern nachgelaufen ist - in der Zunft eine Art Rückbesinnung durchzusetzen. Man schaut den alten Meistern ab, wie sie das Entstehen einer Stadt vor 100 und mehr Jahren mitgestaltet haben.  Mäckler merkt vor allem an, dass eine Stadt, die sich aus vermeintlich elitären Solitären zusammengeschustert hat, auf die öffentlichen Räume und Plätze konzentrieren solle, um sich wieder jene Urbanität zu geben, die sie einst besaß. Wer denkt da nicht an unser Reutlingen? Wem fällt da nicht die Personalie von dieser Woche ein, in der über die Auseinandersetzung zwischen der Stadt und ihrer Angestellten (keine Beamtin!) Dr. Katrin Korth im GEA zu lesen war. Denn gerade die stellvertretende Leiterin des städtischen Amts für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt engagierte sich mit Leidenschaft (und nicht mit der Kälte von Planern, denen eigentlich egal ist, was sie planen) für eine bürgerzentrierte Gestaltung öffentlicher Räume. Der Begriff "Bürgernähe" ist nämlich in der Tat viel zu schwach. Von wo aus wollen sich denn die Planer uns nähern? Von ihrem irgendwo im Abstrakten konstruierten Idealbild, das mit absoluter Macht durchgesetzt werden will? Nein, wir stehen im Mittelpunkt. Es ist unsere Stadt.
Es ist vierzig Jahre her, dass Ralf Dahrendorf in einem Beitrag davon sprach, dass wir auf ein System zusteuern, in dem Exekutive und Experten alles bestimmen werden, in der die natürlichen Autoritäten der Bürger und ihrer gewählten Vertreter mehr und mehr an die Seite gedrängt werden. Wie oft hätte man sich in den letzten Jahren gewünscht, dass unsere Stadträte und Stadträtinnen dagegen ihr Veto energisch eingelegt hätten, deutlich ein "So nicht" in den Ratsaal ausgerufen hätten. Stattdessen haben sie sogar einem Zuschütten des Listbrunnens zugestimmt, den viele als einen Verrat am Bürger empfunden. Übrigens wurde aus diesem Beschluss des Gemeinderates (was ich hier mal aus dem Stegreif unterstelle) dann ein Auftrag, der bei Korth landete, die ihn bestimmt nicht gerne ausgeführt hat. Sonst wäre er sofort umgesetzt worden. Wenn unseren Stadtbediensteten etwas gefällt, dann können sie nämlich da blitzschnell sein - wie etwa beim Abriss der Listhalle.
Wahrscheinlich werden wir - so der Tenor des Artikels im GEA - Dr. Korth als Mitarbeiterin unserer Stadt verlieren. Es wäre ein Triumph für die Stadtmacht, eine Niederlage für uns Bürger. Und wir müssen befürchten, dass wir den  Weg der Entfremdung zwischen Stadt und Bürger  weitergehen werden.
Es ist so schade. Ehrlich gesagt, es frustriert immer mehr Menschen, die sich für diese Stadt engagieren wollen. Da wird auf Dauer ein Investitions-Klima erzeugt, in dem es von morgens früh bis abends spät nur noch um sofortigen Nutzen und schnelle Profite gehen wird. So zitieren wir am Ende noch einmal den Architekten Mäckler, der sich über etwas so Profanes wie den "Straßenraum" mit seinen Fassaden äußert: "Architektonisch kam der Außenfassade, auch als Straßenfassade bezeichnet, zu allen Zeiten eine besondere Bedeutung zu, weil sie das Haus für seinen Besitzer in den öffentlichen Raum hinein repräsentierte. Dies hat sich erst mit der Moderne und der Idee des Hauses als solitärem Kunstwerk geändert."
Ich finde, dass die Moderne ziemlich altmodisch daherkommt. Um es mit Oscar Wilde zusagen: "Nichts ist so gefährlich wie das Allzumodernsein, man gerät so leicht aus der Mode."
So addieren sich in unserer Stadt auch weiterhin die Solitäre zu einem Durcheinander der Stile, die sich gegenseitig nichts und uns Bürgern erst recht nichts zu sagen haben.
Schön, dass es wenigstens die Zeile am Tübinger Tor gibt. Und schön, dass die neue Skateanlage - ein öffentlicher Raum - so viel Anklang findet, aber bestimmt nicht deshalb, weil Solitäre wie die Stadthalle oder das "Krankenhäusle" in der Umgebung stehen. Da ist der ZOB mit seiner Funktion für die Jugendlichen viel, viel wichtiger. So weit sind wir inzwischen.

Raimund Vollmer


 Ganz dicht - in der Metzgerstraße...

 Ganz weit - der Listplatz, aber ohne Brunnen
Ganz gemütlich - an der Marienkirche
 Ganz in Ordnung - jedenfalls auf diesem Foto: der Bahnhof
Bildertanz-Quelle:Raimund Vollmer

Die Macht und die Herrlichkeit in Reutlingen




Ganz beschaulich - weil im Stil der guten alten Zeit...

"Warum eigentlich sind unsere alten Städte in Europa schöner als alles, was Planer und Architekten je in den vergangenen Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg an Neuem entwickelt haben?" So fragte am Donnerstag suggestiv in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler. Wir in Reutlingen und ganz besonders auf unseren Bildertanz-Seiten (Blog & Facebook) fragen uns das schon sehr lange und immer wieder mit Bezug auf aktuelle Entscheidungen. Wir ahnen auch, woran es liegt. Nicht an uns, den Menschen, sondern an den Architekten, die zu lange auf die kalten und glatten Ansprüche einer strengen Schule fixiert waren, deren Regeln sie zu entsprechen versuchten - auch mit Blick auf das Ansehen innerhalb der eigenen Vergleichsreihen. Kollegen bauten für Kollegen, nicht für uns, die in diesen und zwischen diesen Gebäuden leben müssen. 
Ist unsere Stadt noch unsere Stadt?
Gerade jetzt wurde wieder der Bau von Gebäuden genehmigt, deren Art der Frankfurter Stararchitekt in seinem Beitrag verurteilt. Das sogenannte "Stuttgarter Tor", ein Euphemismus par excellence, wird uns - um mit Mäckler zu sprechen - "angesichts der abstoßenden Kälte und Langeweile" frösteln lassen. Ähnlich wird es uns mit dem GWG-Komplex gehen oder dem Bau des Hotels an der Stadthalle. Mäckler ist ein kluger Mensch, er weiß, dass wir, die wir die alten Städte schöner finden, von den Leuten, die diese Öde planen und entscheiden, gerne als "Ewiggestrige" abgekanzelt werden. Aber anscheinend scheint sich - bis auf das institutionelle Reutlingen, das schon immer gerne dem Trend von gestern nachgelaufen ist - in der Zunft eine Art Rückbesinnung durchzusetzen. Man schaut den alten Meistern ab, wie sie das Entstehen einer Stadt vor 100 und mehr Jahren mitgestaltet haben.  Mäckler merkt vor allem an, dass eine Stadt, die sich aus vermeintlich elitären Solitären zusammengeschustert hat, auf die öffentlichen Räume und Plätze konzentrieren solle, um sich wieder jene Urbanität zu geben, die sie einst besaß. Wer denkt da nicht an unser Reutlingen? Wem fällt da nicht die Personalie von dieser Woche ein, in der über die Auseinandersetzung zwischen der Stadt und ihrer Angestellten (keine Beamtin!) Dr. Katrin Korth im GEA zu lesen war. Denn gerade die stellvertretende Leiterin des städtischen Amts für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt engagierte sich mit Leidenschaft (und nicht mit der Kälte von Planern, denen eigentlich egal ist, was sie planen) für eine bürgerzentrierte Gestaltung öffentlicher Räume. Der Begriff "Bürgernähe" ist nämlich in der Tat viel zu schwach. Von wo aus wollen sich denn die Planer uns nähern? Von ihrem irgendwo im Abstrakten konstruierten Idealbild, das mit absoluter Macht durchgesetzt werden will? Nein, wir stehen im Mittelpunkt. Es ist unsere Stadt.
Es ist vierzig Jahre her, dass Ralf Dahrendorf in einem Beitrag davon sprach, dass wir auf ein System zusteuern, in dem Exekutive und Experten alles bestimmen werden, in der die natürlichen Autoritäten der Bürger und ihrer gewählten Vertreter mehr und mehr an die Seite gedrängt werden. Wie oft hätte man sich in den letzten Jahren gewünscht, dass unsere Stadträte und Stadträtinnen dagegen ihr Veto energisch eingelegt hätten, deutlich ein "So nicht" in den Ratsaal ausgerufen hätten. Stattdessen haben sie sogar einem Zuschütten des Listbrunnens zugestimmt, den viele als einen Verrat am Bürger empfunden. Übrigens wurde aus diesem Beschluss des Gemeinderates (was ich hier mal aus dem Stegreif unterstelle) dann ein Auftrag, der bei Korth landete, die ihn bestimmt nicht gerne ausgeführt hat. Sonst wäre er sofort umgesetzt worden. Wenn unseren Stadtbediensteten etwas gefällt, dann können sie nämlich da blitzschnell sein - wie etwa beim Abriss der Listhalle.
Wahrscheinlich werden wir - so der Tenor des Artikels im GEA - Dr. Korth als Mitarbeiterin unserer Stadt verlieren. Es wäre ein Triumph für die Stadtmacht, eine Niederlage für uns Bürger. Und wir müssen befürchten, dass wir den  Weg der Entfremdung zwischen Stadt und Bürger  weitergehen werden.
Es ist so schade. Ehrlich gesagt, es frustriert immer mehr Menschen, die sich für diese Stadt engagieren wollen. Da wird auf Dauer ein Investitions-Klima erzeugt, in dem es von morgens früh bis abends spät nur noch um sofortigen Nutzen und schnelle Profite gehen wird. So zitieren wir am Ende noch einmal den Architekten Mäckler, der sich über etwas so Profanes wie den "Straßenraum" mit seinen Fassaden äußert: "Architektonisch kam der Außenfassade, auch als Straßenfassade bezeichnet, zu allen Zeiten eine besondere Bedeutung zu, weil sie das Haus für seinen Besitzer in den öffentlichen Raum hinein repräsentierte. Dies hat sich erst mit der Moderne und der Idee des Hauses als solitärem Kunstwerk geändert."
Ich finde, dass die Moderne ziemlich altmodisch daherkommt. Um es mit Oscar Wilde zusagen: "Nichts ist so gefährlich wie das Allzumodernsein, man gerät so leicht aus der Mode."
So addieren sich in unserer Stadt auch weiterhin die Solitäre zu einem Durcheinander der Stile, die sich gegenseitig nichts und uns Bürgern erst recht nichts zu sagen haben.
Schön, dass es wenigstens die Zeile am Tübinger Tor gibt. Und schön, dass die neue Skateanlage - ein öffentlicher Raum - so viel Anklang findet, aber bestimmt nicht deshalb, weil Solitäre wie die Stadthalle oder das "Krankenhäusle" in der Umgebung stehen. Da ist der ZOB mit seiner Funktion für die Jugendlichen viel, viel wichtiger. So weit sind wir inzwischen.

Raimund Vollmer


 Ganz dicht - in der Metzgerstraße...

 Ganz weit - der Listplatz, aber ohne Brunnen
Ganz gemütlich - an der Marienkirche
 Ganz in Ordnung - jedenfalls auf diesem Foto: der Bahnhof
Bildertanz-Quelle:Raimund Vollmer

Seit 60 Jahren: Die Ferdinand-von-Steinbeis-Schule (Kleine Entstehungsgeschichte, Teil 2)





Die Betriebskosten der Schule werden alljährlich nach der Schülerzahl auf die Verbandsgemeinden umgelegt. Der jeweils auf die Stadt Reutlingen entfallende Anteil liegt bei 80 Prozent. Im Jahr 1964 waren dies rund 250.000 DM.
Neben den auf ortlichen bzw. regionalen Bereich bechränkten Klassen für 55 verschiedene Beruf, führt die Schule Landesfachklassen für Ofensetzer und Küfer. Die im Rahmen der Gwerblichen Berufsschule bestehenden Möglichkeiten des Zweiten Bildungsweges werden in einem besonderen Abschnitt beschrieben.
Mit der Benennung der Schule nach Ferdinand von Steinbeis, dessen Namen mit der Entwicklung des Berufsschulwesens in unserem Lande eng verknüpft ist, erhielten Lehrer und Schüler den symbolischen Auftrag die Schule in seinem Geiste mit Leben und Streben zu erfüllen.
Bildertanz-Quelle:Helmut Akermann

Montag, 29. August 2016

Seit 60 Jahren: Die Ferdinand-von-Steinbeis-Schule (Kleine Entstehungsgeschichte, Teil 1)






Bildertanz-Quelle:Sammlung Helmut Akermann


Aus dem Tätigkeitsbericht von Oberbürgermeister Oskar Kalbfell (1965) 
Die bedeutendste Berufsschule der Stadt Reutlingen ist die Gewerbliche Berufsschule.
Schulträger ist hier nicht (...) die Stadt allein, sondern ein Schulverband, der neben der Stadt Reutlingen noch 29 Gemeinden des Kreise Reutlingen und Tübingen angehören. Ein solcher Schulverband bestand schon seit 1921. Die Schulgebäude der Gewerblichen Berufsschule, Metzgerstraße 38 und 40, standen allerdings im Eigentum der Stadt Reutlingen.
Die Schule konnte in diesen Gebäuden im Hinblick auf die gestiegenen Schülerzahlen (1938: 1500, 1953: 2800) und den gesteigerten Ansprüchen an die schulische Ausbild
ung ihre Aufgabe nur noch unzureichend erfüllen. Eine Erweiterung der Gebäude war nicht möglich, deshalb beschloss der Gemeinderat am 29. April 1953 einen Wettbewerb für den Neubau einer Gewerblichen Berufsschule auszuschreiben. Als Bauplatz stellte die Stadt ihr schon 1952 erworbenes Grundstück an der Karlstraße zur Verfügung.
Der erste Preisträger des Wettbewerbs, Professor Dr. Karl Gonser, Stuttgart, erhielt am 1. Oktober 1953 den Planungsauftrag. Bauträger und Eigentümer des Neubaus wurde der neugegründete Gewerbeschulverband, nachdem der bisherige Gewerbeschutzzweckverband aufgelöst worden war.
Im Hinblick auf die zahlreichen auswärtigen Schüler lag der Bauplatz in der Nähe des Bahn- und des Omnibusbahnhofes sehr günstig. Er barg aber andererseits die Gefahr einer Lärmbelästigung von der stark befahrenen Karlstraße her in sich. Prof. Gonser gelang es in geschickter Planung, nahezu sämtliche Klassen- und Fachräume in die dem rückwärtigen Park zugelegene Ruhezone zu verlegen, wo sie vom Verkehrslärm kaum beeinträchtigt werden. Bei der Aufstellung des umfangreichen Raumprogramms waren außer den Schulbehörden auch die Industrie und das Handwerk zugezogen worden. Aus der Erkenntnis, dass im Hinblick auf die technische Entwicklung mit all ihren Folgen neben die theoretische Ausbildung auch eine Ergänzung der praktischen Ausbildung in der Schule tretetn muss, wurde dem Bau von Werkstätten besondere Beachtung geschenkt. Bei der Ausführung des Baus galt als oberster Grundsatz "Zweckmäßigkeit und Schönheit, ohne Luxus"Bei ihrer Einweihung am 14, Januar 1956 wurde die Schule wiederholt als eine der modernsten Gewerbeschulen des Landes bezeichnet.
Die finanzielle Belastung, die der Bau der Schule mit einem Kostenaufwand von 4,5 Millionen DM für die Verbandsgemeinden mit sich brachte, ließ es zunächst nicht zu, die Werkstätten und Sammlungen völlig neu auszustatten, obwohl Stifungen von Industrie und Handwerk sowie ein Zuschuss des Landesgewerbeamtes im Wert von ca. 120.000 DM eingegangen waren. Mit der tatkräftigen Hilfe der Industrie und des Handwerks, für die auch an dieser Stelle Dank gesagt sei, war es in den letzten Jahren möglich, weitere neue Maschinen zu beschaffen.